Funkwetter – braucht man dafür einen Regenschirm?
Keine Sorge: Beim Funkwetter geht es nicht darum, ob es morgen regnet. Es zeigt uns Funkamateuren vielmehr, was Sonne und Erdmagnetfeld gerade mit unseren Funkwellen anstellen.
Denn besonders auf Kurzwelle entscheidet nicht nur Antenne und Sendeleistung darüber, ob wir bis München, Madeira oder vielleicht sogar Australien kommen. Auch die Sonne und die Ionosphäre mischen kräftig mit.
Die kleine Anzeige liefert dafür jede Menge Zahlen und Abkürzungen. Auf den ersten Blick sieht das ein wenig nach Cockpit eines Raumschiffs aus – ist aber gar nicht so schlimm.
So liest man das Funkwetter: Wir gehen die Anzeige einfach von links nach rechts und von oben nach unten durch. Was SFI, SN, A- und K-Index & Co. bedeuten und welche Werte gut oder weniger gut sind, erklären wir direkt darunter.
Und wer es ganz einfach haben möchte, schaut zuerst auf „Good“, „Fair“ oder „Poor“ – dann weiß man schon ziemlich schnell, ob sich das Einschalten des Funkgeräts heute besonders lohnt.
So liest du unser Funkwetter
SFI – Solar Flux Index
Der SFI zeigt vereinfacht, wie stark die Sonne im für die Ionosphäre wichtigen Radiobereich aktiv ist. Für Kurzwellenfunk gilt häufig: je höher, desto interessanter, besonders für die höheren Bänder.
Beispiele:
SFI 70–90 = eher schwach · 100–120 = brauchbar · 120–160 = gut · über 160 = sehr gute Voraussetzungen möglich.
SN – Sunspot Number
SN steht für die Sonnenfleckenzahl. Viele Sonnenflecken sind ein Zeichen hoher Sonnenaktivität und gehen häufig mit besseren Ausbreitungsbedingungen auf Kurzwelle einher.
Beispiele:
SN 0–20 = wenig Aktivität · 20–50 = mäßig · 50–100 = gut · über 100 = hohe Sonnenaktivität.
A-Index
Der A-Index beschreibt die geomagnetische Aktivität über einen längeren Zeitraum. Hier ist es umgekehrt: Niedrige Werte sind normalerweise besser.
Beispiele:
A 0–7 = sehr ruhig/gut · 8–15 = brauchbar · 16–29 = unruhig · ab 30 = stark gestört.
K-Index
Der K-Index zeigt die aktuelle, kurzfristige Unruhe des Erdmagnetfeldes. Auch hier gilt: Je niedriger, desto besser für normale Kurzwellenbedingungen.
Beispiele:
K 0–1 = sehr ruhig · 2 = gut · 3 = etwas unruhig · 4 = gestört · ab 5 = geomagnetischer Sturm.
X-Ray
Dieser Wert zeigt die Röntgenstrahlung der Sonne und damit auch mögliche Sonneneruptionen („Solar Flares“).
Die Klassen steigen in dieser Reihenfolge:
A → B → C → M → X
A/B = ruhig · C = kleinere bis mittlere Aktivität · M = starke Eruption · X = sehr starke Eruption.
Beispiel: C1.2 ist normalerweise wenig dramatisch. M5 oder gar X2 kann dagegen deutliche Auswirkungen auf den Kurzwellenfunk haben.
304A @ SEM
Dieser Wert beschreibt die Intensität der solaren 304-Ångström-Emission (extremes Ultraviolett). Sie stammt hauptsächlich aus ionisiertem Helium und ist ein weiterer Hinweis darauf, wie aktiv die Sonne gerade ist.
Vereinfacht für Einsteiger: Steigende bzw. hohe Werte bedeuten stärkere solare Aktivität. Anders als beim SFI gibt es hier aber keine so praktische Regel wie „ab 120 gut“. Der Wert sollte eher zusammen mit SFI, Sonnenflecken und den übrigen Daten betrachtet werden.
Nächste Spalte: K-In und A-In
K-In und A-In sind aus den aktuellen Daten abgeleitete bzw. eingegebene geomagnetische Werte, die das Funkwetter-Panel für seine weiteren Berechnungen verwendet.
Auch hier hilft als Orientierung:
kleines K + kleines A = ruhiges Erdmagnetfeld
Beispiel: K=1 und A=4 wären sehr angenehme Voraussetzungen. K=6 und A=40 zeigen dagegen eine stark gestörte geomagnetische Situation.
Calculated Conditions
Jetzt wird es besonders praktisch. Aus den verschiedenen Messwerten berechnet die Anzeige eine Einschätzung für einzelne Amateurfunkbänder.
Zum Beispiel:
80m–40m: Fair
30m–20m: Good
17m–15m: Good
12m–10m: Poor
Das bedeutet:
Good = gute Ausbreitungsbedingungen zu erwarten.
Fair = durchschnittlich bzw. brauchbar. Funkverbindungen sind möglich, aber nicht optimal.
Poor = eher schlechte Bedingungen; das Band kann trotzdem offen sein, aber die Wahrscheinlichkeit guter Weitverbindungen ist geringer.
Wichtig: Das ist eine Prognose und keine Garantie. Ein als „Poor“ bezeichnetes Band kann durchaus überraschende Verbindungen ermöglichen.
Unterste Zeile: weitere Hinweise
Ganz unten stehen zusätzliche Informationen zur aktuellen Situation.
Signal Noise Level (S1–S2 usw.)
Eine Einschätzung des zu erwartenden Stör- bzw. Rauschpegels. Je niedriger der Störpegel, desto leichter können schwache Stationen aufgenommen werden.
Beispiel: S1–S2 ist angenehm ruhig. Bei S7–S9 würden schwache Signale dagegen schnell im Rauschen verschwinden.
MUF – Maximum Usable Frequency
Die MUF gibt vereinfacht die höchste Frequenz an, die über einen bestimmten Funkweg noch durch die Ionosphäre zurück zur Erde gelangen kann.
Beispiel: Liegt die MUF bei 28 MHz, können unter passenden Bedingungen auch die höheren Kurzwellenbänder interessant werden. Liegt sie nur bei 10 MHz, sind beispielsweise 20, 15 oder 10 Meter für den betreffenden Funkweg wahrscheinlich weniger erfolgversprechend.
Merksatz für Einsteiger: Ein hoher SFI, eine ordentliche Sonnenfleckenzahl sowie niedrige A- und K-Werte sind meistens eine schöne Kombination. Wenn die Anzeige dann noch „Good“ meldet, lohnt es sich besonders, das Funkgerät einzuschalten.
