SOTA, POTA oder Wat? Raus aus dem Shack!
Amateurfunk muss nicht immer aus dem heimischen Shack stattfinden. Gerade der portable Funkbetrieb hat in den vergangenen Jahren stark an Beliebtheit gewonnen. Berge, Parks, Inseln, Burgen oder Leuchttürme werden dabei zum temporären Funkstandort.
Auch bei uns gibt es sehr erfahrene OMs, die den portablen Amateurfunk nicht nur kennen, sondern regelrecht leben. Ein schönes Beispiel ist René, DM2WG, der regelmäßig mit seinen POTA-Aktivierungen unterwegs ist und dabei zeigt, wie viel Spaß Amateurfunk mit kleiner Ausrüstung mitten in der Natur machen kann.
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Unter Bezeichnungen wie SOTA, POTA, IOTA oder WWFF haben sich internationale Aktivitäts- und Diplomprogramme entwickelt. Häufig werden sie zusammenfassend als „XOTA“ – X On The Air bezeichnet.
Das Grundprinzip ist meistens ähnlich: Ein Funkamateur, der Activator, begibt sich zu einer bestimmten Referenz und macht von dort Funkbetrieb. Andere Funkamateure versuchen, diese Station zu erreichen und werden je nach Programm als Hunter oder Chaser bezeichnet.
Wichtig: Es gibt keine zentrale Organisation, die sämtliche „On The Air“-Programme verwaltet. Jedes Programm besitzt eigene Referenzlisten und Regeln. Deshalb sollte man vor einer Aktivierung immer das aktuelle Regelwerk des jeweiligen Programms prüfen.
SOTA – Summits On The Air
SOTA gehört zu den bekanntesten Outdoor-Aktivitäten im Amateurfunk. Aktiviert werden Berge und Gipfel, denen eine offizielle SOTA-Referenz zugeteilt wurde.
Der Activator muss sich dabei nicht exakt auf dem höchsten Punkt befinden. Entscheidend ist die sogenannte Activation Zone. Bei SOTA darf der Standort höchstens 25 Höhenmeter unterhalb des Gipfels liegen. (sota.org.uk)
Für eine gültige Aktivierung sind grundsätzlich mindestens vier QSOs mit unterschiedlichen Stationen erforderlich. Der Funkbetrieb muss portabel erfolgen; die Station darf nicht von einem Fahrzeug oder einer permanenten Installation abhängig sein.
Der Zugang zu einem gelisteten Gipfel ist durch die Aufnahme in die SOTA-Datenbank ausdrücklich nicht automatisch erlaubt. Eigentums-, Naturschutz- und Zugangsregeln müssen vom Aktivierer selbst geprüft werden. (sota.org.uk)
SOTA ist besonders für Funkamateure interessant, die Amateurfunk mit Wandern und Bergsport verbinden möchten.
GMA – Global Mountain Activity
GMA – Global Mountain Activity ist ebenfalls stark mit dem Bergfunk verbunden, geht inzwischen aber deutlich darüber hinaus. In der GMA-Datenbank finden sich neben Bergen beispielsweise auch Burgen, Mühlen, Leuchttürme und weitere Outdoor-Referenzen. Auch Referenzen anderer Programme können teilweise übernommen werden. (GMA)
Für eine klassische portable GMA-Aktivierung sind mindestens vier gültige QSOs notwendig.
Die Station muss portabel betrieben werden. Betrieb aus dem Auto, die Verwendung des Fahrzeug-Bordnetzes, Netzstrom oder ein motorbetriebener Generator sind für eine solche Aktivierung nicht erlaubt. (GMA)
Beim Mountain Award muss außerdem der letzte Teil des Aufstiegs aus eigener Kraft erfolgen. Der Standort darf grundsätzlich maximal 25 Höhenmeter unterhalb des Gipfels liegen. Kontakte über terrestrische Relais zählen nicht. (cqgma.org)
Gerade in Deutschland ist GMA eine interessante Ergänzung zu SOTA.
POTA – Parks On The Air
Bei POTA – Parks On The Air wird aus gelisteten Parks, Naturparks und anderen qualifizierten Gebieten gefunkt.
Das Konzept ist unkompliziert: Der Activator befindet sich innerhalb der Grenzen einer gültigen POTA-Referenz und macht von dort Funkbetrieb.
Eine erfolgreiche POTA-Aktivierung erfordert aktuell mindestens zehn QSOs innerhalb eines UTC-Tages. Mehrere Betriebsabschnitte aus demselben Park können dabei innerhalb dieses UTC-Tages zusammengezählt werden. (Parks on the Air Documentation)
POTA schreibt keinen besonderen QSO-Austausch vor. Rufzeichen und ein gültiges QSO reichen grundsätzlich aus; Signalreport, Name und Parkreferenz werden in der Praxis häufig zusätzlich ausgetauscht. (Parks on the Air Documentation)
Besonders beliebt sind Park-to-Park-QSOs (P2P), bei denen sich zwei Aktivierer aus unterschiedlichen Parks gegenseitig arbeiten.
WWFF – World Wide Flora & Fauna
WWFF – World Wide Flora & Fauna in Amateur Radio konzentriert sich auf Funkbetrieb aus ausgewiesenen Natur- und Schutzgebieten.
In Deutschland begegnet man dabei vor allem den DLFF-Referenzen. International besitzt jedes teilnehmende Land beziehungsweise Programm entsprechende Referenzen.
Ein wesentlicher Unterschied zu vielen anderen Programmen ist die Zahl der Verbindungen. Für eine vollständig gewertete WWFF-Aktivierung sind grundsätzlich 44 QSOs erforderlich. Diese müssen nicht zwingend bei einem einzigen Besuch erreicht werden; Kontakte können unter den Bedingungen des Regelwerks auch über mehrere Aktivierungen derselben Referenz gesammelt werden. (WWFF)
Das Log wird anschließend in das WWFF-System übernommen. WWFF bietet außerdem eigene Wertungen für Park-to-Park-Verbindungen. (WWFF)
Natur- und Umweltschutz spielen bei WWFF naturgemäß eine besondere Rolle. Eine Funkaktivierung darf selbstverständlich keine bestehenden Schutz- oder Betretungsregeln außer Kraft setzen.
IOTA – Islands On The Air
IOTA – Islands On The Air ist einer der Klassiker unter den Amateurfunk-Aktivitätsprogrammen. Das Programm existiert bereits seit 1964 und wird heute von Islands On The Air (IOTA) Ltd in Partnerschaft mit der britischen RSGB verwaltet. (Iota World)
Bei IOTA geht es um Funkverbindungen mit Inseln. Allerdings besitzt nicht zwingend jede einzelne Insel eine eigene Referenz. Die Inseln der Welt sind in ungefähr 1.200 IOTA-Gruppen zusammengefasst. (Iota World)
Für den Chaser besteht der Reiz darin, möglichst viele dieser Inselgruppen zu arbeiten. Activatoren wiederum sorgen durch Expeditionen und portablen Betrieb dafür, dass auch seltene Inselgruppen in die Luft kommen.
IOTA besitzt ein vergleichsweise umfangreiches Regelwerk. Wer eine Aktivierung speziell für eine IOTA-Anerkennung plant, sollte deshalb vorher prüfen, ob die betreffende Insel tatsächlich als sogenannter „Counter“ der gewünschten IOTA-Gruppe anerkannt ist. Die aktuellen Programmregeln werden von IOTA selbst veröffentlicht. (Iota World)
COTA / WCA – Castles On The Air
Bei Castles On The Air (COTA) beziehungsweise entsprechenden World Castles Award (WCA)-Aktivitäten stehen Burgen, Schlösser, Festungen und andere historische Bauwerke im Mittelpunkt.
Das Prinzip ist wieder ähnlich: Eine gelistete historische Anlage besitzt eine Referenznummer und wird durch portablen Amateurfunkbetrieb aktiviert.
Besonders reizvoll ist COTA, weil sich die Aktivierung häufig mit einer Wanderung oder einem Besuch historischer Orte verbinden lässt.
Die konkreten Regeln können vom jeweiligen nationalen Programm beziehungsweise Award abhängen. Deshalb sollte vor der Aktivierung insbesondere geprüft werden, welche Referenz gilt, welcher Abstand zum Objekt zulässig ist und wie viele QSOs für die jeweilige Wertung benötigt werden.
BOTA – Beaches On The Air
Bei BOTA – Beaches On The Air wird der Funkplatz an den Strand verlegt.
Das internationale Programm richtet sich sowohl an Activatoren als auch an Chaser und führt weltweit Strandreferenzen. Nach Angaben des Programms kann grundsätzlich von Stränden in allen Ländern und Regionen teilgenommen werden; neue Strände können mit Aktivierungen in das System aufgenommen werden. (Beaches on the Air)
Neben dem eigentlichen Amateurfunk kommt hier eine zusätzliche Herausforderung hinzu: Sand, Wind und insbesondere Salzwasser verlangen dem Equipment einiges ab.
Dafür kann die unmittelbare Nähe zum Meer für Antennen durchaus interessante Ausbreitungsbedingungen bieten.
LOTA / Lighthouse-Aktivitäten – Leuchttürme On The Air
Auch Leuchttürme und Feuerschiffe sind beliebte Ziele portabler Amateurfunkaktivitäten.
Hier muss man allerdings genauer hinschauen: Unter Begriffen wie „Lighthouses On The Air“ existieren verschiedene Programme, Referenzsysteme und Veranstaltungen. Eine weltweit bekannte Veranstaltung ist beispielsweise das International Lighthouse Lightship Weekend (ILLW).
Das Grundprinzip besteht darin, Amateurfunk von oder in unmittelbarer Nähe eines qualifizierten Leuchtturms beziehungsweise Feuerschiffs zu betreiben.
Vor einer geplanten Aktivierung sollte deshalb zunächst geklärt werden, für welches konkrete Leuchtturm-Programm gearbeitet werden soll und welche Referenz dort verwendet wird.
MOTA – Mills On The Air
Mills On The Air bringt Amateurfunk zu historischen Mühlen. Dazu können beispielsweise Wind-, Wasser- oder andere technisch beziehungsweise historisch interessante Mühlen gehören.
Anders als SOTA oder POTA ist MOTA nicht überall als ein einziges weltweit einheitliches Programm organisiert. Teilweise werden entsprechende Referenzen innerhalb anderer Outdoor-Programme geführt.
Auch GMA führt beispielsweise eigene Mühlen-Referenzdaten. (GMA)
Für Activatoren ergibt sich eine schöne Verbindung zwischen Amateurfunk und Technikgeschichte.
CHOTA – Churches and Chapels On The Air
Bei Churches and Chapels On The Air stehen Kirchen und Kapellen im Mittelpunkt.
Solche Aktivitäten sind besonders in Großbritannien bekannt und werden häufig im Rahmen bestimmter Aktivitätstage durchgeführt. Je nach Veranstaltung und nationalem Programm unterscheiden sich die Regeln.
Wie bei Burgen und anderen historischen Gebäuden gilt natürlich: Eine Funkaktivierung gibt keinerlei besonderes Zutrittsrecht. Eigentümer, Besucher und laufende Veranstaltungen müssen respektiert werden.
HEMA – HuMPs Excluding Marilyns Award
HEMA ist ein britisches Bergfunkprogramm und damit in gewisser Weise ein Verwandter von SOTA.
Die Abkürzung steht für HuMPs Excluding Marilyns Award. Das Programm konzentriert sich auf bestimmte britische Hügel, die nach topografischen Kriterien ausgewählt werden.
HEMA ist vor allem für Funkamateure in Großbritannien interessant. Einige seiner Referenzen werden auch von anderen Outdoor-Systemen berücksichtigt; GMA nennt HEMA beispielsweise ausdrücklich bei seinen anerkannten Bergreferenzen. (cqgma.org)
WOTA – Wainwrights On The Air
WOTA – Wainwrights On The Air ist ein regionales britisches Programm.
Im Mittelpunkt stehen die von Alfred Wainwright beschriebenen Berge und Hügel des englischen Lake District. Das Programm verbindet damit Amateurfunk, Wandern und die bekannte britische Wainwright-Tradition.
Für deutsche Funkamateure dürfte WOTA vor allem bei einem Urlaub oder einer Bergtour im Lake District interessant sein.
Weitere „On The Air“-Aktivitäten
Die Idee lässt sich nahezu beliebig fortsetzen. International und regional existieren weitere Programme und Aktivitätstage rund um Inseln, Seen, Flüsse, Eisenbahnen, historische Gebäude, Flugplätze, Museen und andere besondere Orte.
Nicht jedes Kürzel, das auf „OTA“ endet, bezeichnet allerdings ein weltweit organisiertes Diplomprogramm. Manche Aktivitäten existieren nur in einem Land, manche sind zeitlich begrenzte Events und andere werden als Unterprogramm größerer Plattformen geführt.
Deshalb lohnt sich immer ein Blick auf die aktuelle Referenzdatenbank und das Regelwerk des jeweiligen Veranstalters.
Mehrere Programme gleichzeitig aktivieren
Besonders interessant wird Outdoor-Funk, wenn ein Standort mehrere Referenzen gleichzeitig besitzt.
Ein Berg kann beispielsweise gleichzeitig eine SOTA- und GMA-Referenz besitzen und zusätzlich innerhalb eines POTA- oder WWFF-Gebiets liegen. Befindet sich auf dem Berg außerdem eine Burg, kann theoretisch sogar noch eine entsprechende COTA/WCA-Referenz hinzukommen.
Eine solche Mehrfachaktivierung ist grundsätzlich möglich, sofern die Bedingungen jedes einzelnen Programms separat erfüllt werden.
Das ist ein wichtiger Punkt: Zehn QSOs können beispielsweise für eine POTA-Aktivierung ausreichen, während für die vollständige WWFF-Wertung 44 QSOs erforderlich sind. Für SOTA und GMA wiederum spielen Standort und Art des portablen Betriebs eine entscheidende Rolle.
Activator und Hunter – zwei Seiten desselben Hobbys
Für die Teilnahme muss man nicht unbedingt selbst mit Rucksack und Funkgerät losziehen.
Fast alle Programme kennen zwei Seiten:
Activator sind die Funkamateure, die eine Referenz aufsuchen und von dort QRV werden.
Hunter oder Chaser sind die Stationen, die zu Hause oder von einem anderen Standort versuchen, die Activatoren zu arbeiten.
Damit eignen sich die Programme auch hervorragend für Einsteiger. Man kann zunächst vom heimischen Shack aus SOTA-, POTA- oder WWFF-Stationen sammeln und später die erste eigene portable Aktivierung versuchen.
Was braucht man für eine Aktivierung?
Der Aufwand kann erstaunlich gering sein. Ein kleiner QRP-Transceiver, ein Akku, etwas Koaxkabel und eine leichte Drahtantenne reichen für viele Aktivierungen bereits aus.
Wichtiger als viel Leistung ist ein sinnvoll ausgewählter Standort und eine funktionierende Antenne. Dazu gehören eine geeignete Logmöglichkeit, Wetterschutz und – besonders bei Bergaktivitäten – eine vernünftige Tourenplanung.
Vor dem Aufbau sollte außerdem immer geklärt werden:
- Ist das Gelände frei zugänglich?
- Benötige ich eine Genehmigung?
- Gibt es Naturschutz- oder Betretungsregeln?
- Darf und kann ich meine Antenne dort sicher aufbauen?
- Welche genaue Referenz aktiviere ich?
- Welche Regeln gelten für dieses Programm?
- Wie viele QSOs benötige ich?
- Wo und in welchem Format muss ich anschließend mein Log einreichen?
Fazit
„On The Air“-Programme verbinden Amateurfunk mit Outdoor-Aktivitäten, Natur, Technik und Reisen. Der Reiz besteht nicht unbedingt darin, mit möglichst großer Station möglichst weit zu funken. Oft ist genau das Gegenteil der Fall: Mit einem kleinen Transceiver, Akku und einer Drahtantenne irgendwo draußen eine funktionierende Funkstation aufzubauen, macht den besonderen Reiz aus.
Wer Berge mag, findet mit SOTA und GMA passende Programme. Natur- und Parkfreunde landen bei POTA oder WWFF, Inseljäger bei IOTA, während COTA/WCA, BOTA, Leuchtturm- und Mühlenaktivitäten Amateurfunk mit besonderen Orten verbinden.
Und manchmal muss man sich gar nicht entscheiden: Der schönste portable Funkplatz ist möglicherweise gleichzeitig Berg, Park und Naturschutzgebiet – und damit gleich für mehrere „On The Air“-Programme interessant.
73 und viel Spaß bei der nächsten Aktivierung!
