JTTY – die neue digitale Betriebsart zwischen RTTY und FT8.
Was ist JTTY?
Mit JTTY hält eine neue digitale Betriebsart Einzug in WSJT-X. Sie richtet sich besonders an Funkamateure, die den schnellen und direkten Betrieb von RTTY mögen, gleichzeitig aber die Möglichkeiten moderner digitaler Signalverarbeitung nutzen möchten.
JTTY wurde mit WSJT-X 3.2.0 vorgestellt. Das Ziel der Entwickler ist interessant: Das Betriebsgefühl soll dem klassischen RTTY ähneln, gleichzeitig soll JTTY bei schwachen Signalen zuverlässiger arbeiten und eine deutlich geringere Fehlerrate ermöglichen.
Das Wichtigste vorweg: JTTY ist kein „FT8 mit anderem Namen“.
Bei FT8 bestimmen feste Zeitfenster den Ablauf. Eine Station sendet, anschließend ist die Gegenstation an der Reihe. Bei JTTY gibt es diese festen Sendeperioden nicht.
Wer senden möchte, sendet.
Damit verhält sich JTTY aus Sicht des Operators viel eher wie RTTY:
Hören → antworten → Gegenstation antwortet → nächster Durchgang.
Eine JTTY-Aussendung kann jederzeit beginnen und unterschiedlich lang sein. Typischerweise handelt es sich um kurze Aussendungen von wenigen Sekunden.
JTTY versucht damit, zwei Welten miteinander zu verbinden:
Das schnelle und freie Arbeiten von RTTY mit moderner Weak-Signal-Technik.
Ein kurzer Blick zurück: Was ist eigentlich RTTY?
RTTY steht für Radio Teletype – Funkfernschreiben.
RTTY gehört zu den ältesten digitalen Betriebsarten im Amateurfunk. Ursprünglich wurden tatsächlich elektromechanische Fernschreiber verwendet. Heute übernimmt ein Computer die Erzeugung und Auswertung der Signale.
Beim im Amateurfunk üblichen klassischen RTTY werden zwei unterschiedliche Frequenzzustände verwendet. Traditionell spricht man von Mark und Space.
Typische Werte sind:
- 45,45 Baud
- 170 Hz Shift
- Baudot-Code mit 5 Bit
- ungefähr 60 Wörter pro Minute
RTTY ist einfach, schnell und funktioniert seit Jahrzehnten hervorragend. Es besitzt aber einen entscheidenden Nachteil: Die klassische Übertragung verfügt nicht über die leistungsfähigen modernen Fehlerkorrekturverfahren neuerer digitaler Betriebsarten.
Wird beispielsweise durch QRM, Fading oder ein schwaches Signal ein Zeichen falsch erkannt, erscheint auf dem Bildschirm schlicht das falsche Zeichen.
Aus
DO4UB
kann bei schlechten Bedingungen beispielsweise
DO?UB
oder anderer Zeichensalat werden.
Gerade Contest-Operatoren kennen dieses Problem. JTTY setzt genau hier an.
Was macht JTTY technisch anders?
JTTY verwendet 4-GFSK.
GFSK bedeutet Gaussian Frequency Shift Keying. Vereinfacht gesagt werden Informationen über unterschiedliche Frequenzzustände übertragen. Bei JTTY stehen vier davon zur Verfügung.
Ein JTTY-Signal benötigt nur ungefähr 125 Hz Bandbreite. Die WSJT-X-Dokumentation nennt eine Symbolrate von 31,25 Baud und eine Frame-Dauer von 1,888 Sekunden.
Eine JTTY-Übertragung besteht aus einem oder mehreren solcher Frames. Ein einzelner Frame kann bis zu fünf beliebige Zeichen transportieren. Für häufig benötigte Contest-Nachrichten gibt es jedoch spezielle kompakte Formate. Dadurch kann erheblich mehr Information innerhalb eines Frames übertragen werden.
Das ist ein wichtiger Unterschied: JTTY kann sowohl freien Text als auch hochoptimierte Contest-Nachrichten übertragen.
Bei beliebigem Text erreicht JTTY nach Angaben der Entwickler ungefähr 30 Wörter pro Minute. Bei speziell codierten kurzen Contest-Nachrichten sind ungefähr 60 Wörter pro Minute möglich.
Warum kann JTTY schwache Signale besser lesen?
Hier liegt einer der wesentlichen Unterschiede zum klassischen RTTY.
RTTY überträgt seine Zeichen vergleichsweise direkt. Ist ein Teil eines Zeichens durch Störungen beschädigt, gibt es nur begrenzte Möglichkeiten, den ursprünglichen Inhalt wiederherzustellen.
JTTY verwendet dagegen moderne Codierungs- und Decodierungsverfahren. WSJT-X bringt außerdem Verfahren wie adaptive Decodierung und Signalsubtraktion mit.
Die Signalsubtraktion ist besonders interessant, wenn mehrere Signale dicht nebeneinander oder teilweise übereinander liegen. Ein bereits erkanntes Signal kann mathematisch aus dem empfangenen Signal entfernt werden. Anschließend kann versucht werden, darunter oder daneben liegende Signale zu decodieren.
Das bedeutet natürlich nicht, dass man absichtlich übereinander senden sollte. Es erhöht aber die Chancen auf eine erfolgreiche Decodierung unter schwierigen Bedingungen.
Die Entwickler liefern mit WSJT-X sogar eine schwache JTTY-Testaufnahme aus. Laut Dokumentation wäre ein klassisches 45,45-Baud-RTTY-Signal bei vergleichbarer Signalstärke nur noch grenzwertig und fehleranfällig zu lesen.
JTTY ist trotzdem kein FT8
Genau das macht die Betriebsart interessant.
FT8 ist stark strukturiert. Ein typisches FT8-QSO könnte beispielsweise so aussehen:
CQ DO4UB JO53
DO4UB DL1ABC JO42
DL1ABC DO4UB -08
DO4UB DL1ABC R-10
DL1ABC DO4UB RR73
DO4UB DL1ABC 73
Die Kommunikation besteht überwiegend aus genau definierten Informationsblöcken.
Bei JTTY kann dagegen tatsächlich geschrieben werden:
DL1ABC DE DO4UB TNX FER CALL NAME ULI QTH HAMBURG HW?
Das erinnert wesentlich stärker an RTTY, PSK31 oder andere klassische Keyboard-to-Keyboard-Betriebsarten.
Man muss also nicht ausschließlich vorgefertigte Nachrichten austauschen.
JTTY, RTTY und FT8 im direkten Vergleich
| Eigenschaft | JTTY | klassisches RTTY | FT8 |
|---|---|---|---|
| Betriebsart | Digital | Digital | Digital |
| typischer Zweck | Contest + Keyboard-QSO | Contest + Keyboard-QSO | Weak-Signal-QSO |
| Modulation | 4-GFSK | 2-FSK | 8-GFSK |
| feste Zeitfenster | Nein | Nein | Ja |
| Sendestart jederzeit | Ja | Ja | Nein |
| freier Text | Ja | Ja | stark eingeschränkt |
| Geschwindigkeit | ca. 30 WPM Text / ca. 60 WPM Contest | ca. 60 WPM | nicht sinnvoll als WPM vergleichbar |
| Bandbreite | ca. 125 Hz | typ. 170-Hz-Shift | ca. 50 Hz |
| moderne Fehlerkorrektur | Ja | klassisch nein | Ja |
| Weak-Signal-Fähigkeit | hoch | vergleichsweise geringer | sehr hoch |
| Betriebsgefühl | RTTY-artig | direktes Keyboard-QSO | zeitgesteuerte Exchanges |
| Contest-Makros | Ja | Ja | andere Arbeitsweise |
| längere Unterhaltung | möglich | möglich | nicht der eigentliche Zweck |
Vereinfacht könnte man JTTY deshalb beschreiben als:
„RTTY-Betrieb mit moderner WSJT-Signalverarbeitung.“
Technisch ist JTTY jedoch ausdrücklich kein RTTY.
Wie läuft ein JTTY-QSO ab?
Nehmen wir ein einfaches Beispiel mit zwei Stationen. DO4UB ruft CQ, die Gegenstation ist DL1ABC.
DO4UB sendet:
CQ DO4UB CQ
DL1ABC antwortet:
DO4UB DL1ABC DL1ABC
DO4UB:
DL1ABC 599 001
DL1ABC:
DO4UB 599 014
DO4UB:
DL1ABC TU CQ DO4UB CQ
Damit wäre ein sehr kurzes Contest-QSO beendet.
Für jemanden, der noch nie RTTY-Contestbetrieb gemacht hat, sieht das zunächst nach einer Ansammlung merkwürdiger Abkürzungen und Wiederholungen aus. Deshalb schauen wir uns die einzelnen Bestandteile genauer an.
„CQ DO4UB CQ“ – warum steht CQ zweimal dort?
CQ bedeutet sinngemäß:
„Allgemeiner Anruf – ich möchte irgendeine Station erreichen.“
Es wird also keine bestimmte Station gerufen.
Die Nachricht
CQ DO4UB CQ
bedeutet:
„Allgemeiner Anruf von DO4UB.“
Das zweite CQ am Ende hat im digitalen Contestbetrieb einen praktischen Grund.
Stellen wir uns vor, DL1ABC dreht gerade über das Band und beginnt erst mitten in der Aussendung mit dem Empfang. Er sieht vielleicht nur:
DO4UB CQ
Damit weiß er trotzdem sofort: DO4UB führt gerade kein QSO mit einer bestimmten Station, sondern ruft CQ und wartet auf einen Anrufer.
Genau deshalb wird im RTTY-Contestbetrieb häufig ein CQ-Ruf auch mit CQ beendet. JTTY übernimmt dieses bewährte Prinzip.
Warum wird das Rufzeichen manchmal zweimal gesendet?
DL1ABC könnte beispielsweise antworten:
DO4UB DL1ABC DL1ABC
Warum zweimal DL1ABC?
Weil das eigene Rufzeichen die wichtigste Information dieser Aussendung ist.
Bei schwierigen Funkbedingungen könnte beim ersten Durchlauf beispielsweise
DL1?BC
decodiert werden. Beim zweiten Durchlauf erscheint vielleicht korrekt:
DL1ABC
Damit steigt die Wahrscheinlichkeit, dass die Gegenstation das Rufzeichen vollständig erhält.
Bei klassischem RTTY ist diese Wiederholung besonders üblich, weil einzelne Zeichen durch Störungen verloren gehen können.
Bei JTTY ist sie aufgrund der robusteren Übertragung technisch weniger zwingend. Trotzdem stammt die Betriebstechnik aus der RTTY-Welt und kann je nach Situation weiterhin sinnvoll sein.
Im Contest gilt allerdings auch:
Jedes unnötige Zeichen kostet Zeit.
Deshalb werden Rufzeichen nicht beliebig oft übertragen. So viel wie nötig – so wenig wie möglich.
Was bedeutet 599?
Die Zahlen stammen aus dem RST-System.
RST bedeutet:
R – Readability (Lesbarkeit)
S – Signal Strength (Signalstärke)
T – Tone (Tonqualität)
Die höchste Bewertung lautet:
5 9 9
also kurz:
599
5 = ausgezeichnet lesbar
9 = sehr starkes Signal
9 = sehr guter bzw. sauberer Ton
Im Contestbetrieb ist 599 allerdings meistens kein ernsthaft gemessener Signalbericht mehr. Es gehört bei vielen Wettbewerben schlicht zum vorgeschriebenen oder traditionellen Austausch.
Eine Station kann auf dem Bildschirm nur schwer lesbar sein und bekommt trotzdem 599. Das mag für Einsteiger zunächst merkwürdig wirken, ist im Contestbetrieb aber üblich.
Was bedeutet die Zahl hinter 599?
Beispielsweise:
599 001
Die 001 ist in vielen Wettbewerben eine laufende QSO-Nummer.
Das erste QSO bekommt 001, das zweite 002, danach 003 und so weiter.
Die Gegenstation könnte beispielsweise bereits ihr 137. QSO fahren und deshalb senden:
599 137
Welche Informationen tatsächlich ausgetauscht werden müssen, bestimmt immer die Ausschreibung des jeweiligen Contests. Es können beispielsweise auch Zonen, Locator, Bundesstaaten oder andere Informationen verlangt werden.
Was bedeutet TU?
TU steht für:
Thank You – Danke.
Wenn DO4UB sendet:
DL1ABC TU CQ DO4UB CQ
bedeutet das sinngemäß:
„DL1ABC, danke. Das QSO ist vollständig. DO4UB ruft wieder CQ.“
Das ist ausgesprochen effizient. Mit einer einzigen kurzen Aussendung wird das alte QSO bestätigt und unmittelbar das nächste eröffnet.
Was bedeutet AGN?
AGN steht für:
Again – noch einmal / bitte wiederholen.
Hat DO4UB beispielsweise etwas nicht richtig verstanden:
DL1ABC AGN?
bedeutet das:
„DL1ABC, bitte noch einmal.“
JTTY sieht dafür sogar ein entsprechendes Makro vor.
Was bedeutet NR?
NR steht üblicherweise für:
Number – Nummer.
Hat man beispielsweise die Seriennummer nicht richtig empfangen, kann man fragen:
NR?
Sinngemäß:
„Bitte die Nummer noch einmal.“
Die Gegenstation muss dann nicht das komplette QSO wiederholen, sondern könnte beispielsweise einfach senden:
137 137
Das spart Zeit.
Was bedeutet DE?
DE stammt aus der Telegrafie und bedeutet sinngemäß:
„von“ bzw. „hier ist“.
Beispielsweise:
DL1ABC DE DO4UB
bedeutet:
„DL1ABC, hier ist DO4UB.“
Bei normalen Keyboard-QSOs kann man DE weiterhin verwenden. Im modernen Contestbetrieb wird es häufig weggelassen, weil die Rufzeichenposition bereits eindeutig macht, wer wen ruft und jedes zusätzliche Zeichen Zeit benötigt.
Was bedeutet 73?
73 ist eine der bekanntesten Abkürzungen des Amateurfunks und bedeutet sinngemäß:
„Beste Grüße.“
Am Ende eines gemütlicheren JTTY-QSOs könnte deshalb beispielsweise stehen:
TNX FER QSO 73 DE DO4UB
also:
„Danke für das QSO, beste Grüße von DO4UB.“
Ein etwas längeres JTTY-QSO
JTTY ist nicht nur für Conteste gedacht. Ein normales Keyboard-QSO könnte beispielsweise so aussehen:
DO4UB: CQ CQ DE DO4UB DO4UB CQ
DL1ABC: DO4UB DE DL1ABC DL1ABC
DO4UB: DL1ABC DE DO4UB TNX FER CALL. NAME ULI ULI. QTH HAMBURG. UR 599. HW?
DL1ABC: DO4UB DE DL1ABC TNX ULI. NAME PETER. QTH BERLIN. UR 579. WX SUNNY 18C. HW?
DO4UB: DL1ABC DE DO4UB FB PETER. TNX FER NICE JTTY QSO. 73 AND GL DE DO4UB
DL1ABC: DO4UB DE DL1ABC TNX ULI 73 DE DL1ABC
Hier sieht man einen wichtigen Unterschied zu FT8:
Es findet tatsächlich eine kleine Unterhaltung statt.
Was bedeuten die Abkürzungen aus diesem QSO?
- CQ – allgemeiner Anruf
- DE – von / hier ist
- TNX – Thanks, danke
- FER – For, für
- CALL – Anruf
- NAME – Name des Operators
- QTH – Standort der Funkstation
- UR – Your, dein/deine
- 599 / 579 – Signalbericht
- HW? – How copy? / Wie empfängst du mich?
- WX – Weather, Wetter
- FB – Fine Business, sinngemäß „sehr gut“
- QSO – Funkverbindung
- GL – Good Luck
- 73 – beste Grüße
Viele dieser Kürzel stammen aus einer Zeit, in der jedes übertragene Zeichen Zeit kostete. Genau deshalb haben sich im Amateurfunk extrem kurze Schreibweisen etabliert.
JTTY und die Funktionstasten F1 bis F8
Für den Contestbetrieb kann WSJT-X acht Funktionstasten mit Nachrichten belegen. Die derzeitige Konzeption sieht beispielsweise so aus:
F1 – CQ %M CQ
%M steht für das eigene Rufzeichen. Bei DO4UB wird daraus:
CQ DO4UB CQ
F2 – %H %E
%H bedeutet das Rufzeichen der Gegenstation. %E steht für den Contest-Austausch.
Daraus könnte beispielsweise werden:
DL1ABC 599 107
F3 – %H TU CQ %M CQ
Daraus wird:
DL1ABC TU CQ DO4UB CQ
Das vorherige QSO wird bestätigt und unmittelbar erneut CQ gerufen.
F4 – %M
Sendet nur das eigene Rufzeichen:
DO4UB
F5 – %H
Sendet nur das Rufzeichen der Gegenstation.
F6 – TU NOW %Q %E
Das ist besonders bei hohem Betrieb interessant. Eine Station wird abgeschlossen und die nächste bereits aufgerufen.
Beispielsweise:
TU NOW DL2XYZ 599 108
Damit kann ein Contest-Operator eine Station nach der anderen abarbeiten.
F7 – %H AGN?
Beispielsweise:
DL1ABC AGN?
Bitte wiederholen.
F8 – %E
Sendet ausschließlich den Contest-Austausch:
599 107
Die Platzhalter %M, %H, %E und %Q sind in der aktuellen JTTY-Dokumentation von WSJT-X beschrieben.
Warum sind diese speziellen Nachrichten bei JTTY so wichtig?
Hier steckt eine Besonderheit von JTTY.
Beliebiger Text muss Zeichen für Zeichen in Frames übertragen werden. Häufig verwendete Contest-Nachrichten besitzen dagegen speziell definierte kompakte Formate.
Dadurch kann beispielsweise eine komplette Meldung wie
CQ DO4UB CQ
wesentlich effizienter übertragen werden, als wenn sämtliche Zeichen als normaler freier Text behandelt würden.
Deshalb sollte man im Contest nicht unnötig kreative oder besonders lange Makros bauen. Die vorgesehenen Nachrichtenformate sind bewusst auf Geschwindigkeit optimiert.
Und was passiert beim normalen Schreiben?
Dann verhält sich JTTY wieder wesentlich mehr wie klassisches RTTY.
Man tippt beispielsweise:
HELLO PETER TNX FOR CALL
und die Nachricht wird übertragen. Während des Betriebs erscheint der empfangene Text nach und nach auf dem Bildschirm.
Man muss also nicht – wie bei FT8 – auf das Ende eines festen Empfangsintervalls warten.
Das vermittelt wieder das Gefühl eines digitalen Funkfernschreibers.
JTTY kann Nachrichten in eine Warteschlange stellen
Ein weiteres interessantes Detail ist die Möglichkeit, Nachrichten während einer laufenden Aussendung vorzubereiten.
Damit kann der Operator bereits die nächste Nachricht eingeben bzw. auswählen, während die aktuelle noch übertragen wird.
Gerade im Contestbetrieb kann das den Ablauf erheblich beschleunigen.
Unterstützung durch N1MM Logger+
Dass JTTY ausdrücklich auch für ernsthaften Contestbetrieb gedacht ist, zeigt die frühe Unterstützung durch N1MM Logger+.
Seit Version 1.0.11449 vom 22. September 2026 steht eine WSJT-JTTY-Schnittstelle zur Verfügung. WSJT-X kann dabei in den bekannten Contest-Workflow eingebunden werden.
Das dürfte besonders für erfahrene RTTY-Contester interessant sein, weil vorhandene Arbeitsabläufe und Funktionstasten weitergenutzt werden können.
Wo findet man JTTY?
Das WSJT-X-Team hat zunächst einige vorläufige Trefffrequenzen vorgeschlagen:
| Band | vorläufige Dial-Frequenz |
|---|---|
| 160 m | 1,838 MHz |
| 80 m | 3,575 MHz |
| 40 m | 7,090 MHz |
| 30 m | 10,140 MHz |
| 20 m | 14,090 MHz |
| 17 m | 18,100 MHz |
| 15 m | 21,090 MHz |
| 12 m | 24,920 MHz |
| 10 m | 28,090 MHz |
| 6 m | 50,160 MHz |
| 2 m | 144,160 MHz |
Besonders 14,090 MHz auf 20 Meter wurde als erster gemeinsamer Treffpunkt vorgeschlagen.
Wichtig: Diese Frequenzen sind vorläufig. JTTY ist noch sehr neu. Sollte die Betriebsart größere Verbreitung finden, können sich die Trefffrequenzen noch verändern. Selbstverständlich sind außerdem die jeweils geltenden Bandpläne und nationalen Bestimmungen zu beachten.
Interessant ist die Aufnahme von 6 m und 2 m. JTTY ist also keineswegs auf Kurzwelle beschränkt.
Muss man für JTTY die Uhr sekundengenau synchronisieren?
Nein.
Das ist ein großer Unterschied zu FT8.
FT8 benötigt eine hinreichend genaue Systemzeit, weil die Stationen innerhalb definierter Zeitfenster senden und empfangen.
JTTY kennt diese Zeitschlitze nicht. Eine Aussendung kann jederzeit beginnen.
Das bedeutet:
JTTY wartet nicht auf die nächste gerade oder ungerade Periode. Der Operator bestimmt den Rhythmus des QSOs.
Was passiert, wenn zwei Stationen gleichzeitig senden?
Dann können sich die Signale überlagern – genau wie bei RTTY.
WSJT-X verfügt zwar über moderne Decodierverfahren und Signalsubtraktion, trotzdem ist das kein Freibrief, auf einer bereits belegten Frequenz zu senden.
Gerade weil JTTY keine festen geraden und ungeraden Sendeperioden kennt, sollte man vor einer Aussendung prüfen, ob der gewünschte Bereich im Wasserfall frei ist.
Auf einer gemeinsamen Dial-Frequenz können mehrere JTTY-QSOs mit unterschiedlichen Audiofrequenzen nebeneinander stattfinden.
Wird JTTY RTTY ersetzen?
Das lässt sich kurz nach der Veröffentlichung nicht seriös beantworten.
RTTY hat eine jahrzehntelange Tradition, wird von sehr vielen Programmen und Transceivern unterstützt und besitzt eine große Contest-Gemeinschaft.
JTTY bietet allerdings eine ausgesprochen interessante Kombination:
Direkter RTTY-artiger Betrieb, keine festen Zeitfenster, freier Text, schnelle Contest-Exchanges, schmale Bandbreite, moderne Fehlerkorrektur, Weak-Signal-Fähigkeit sowie Integration in WSJT-X und N1MM Logger+.
Damit könnte JTTY insbesondere für Funkamateure interessant werden, denen FT8 zu stark strukturiert erscheint, die aber gleichzeitig die Möglichkeiten moderner digitaler Übertragungsverfahren nutzen möchten.
JTTY in einem Satz
JTTY versucht, das direkte und schnelle Funkfernschreiben von RTTY mit moderner Signalverarbeitung und Weak-Signal-Technik aus der WSJT-Welt zu verbinden – ohne die starren Zeitfenster von FT8.
Genau diese Kombination macht die neue Betriebsart interessant.
Stand der Informationen
Dieser Artikel beschreibt den Stand vom 28. September 2026.
JTTY wurde mit WSJT-X 3.2.0-rc1 öffentlich vorgestellt. Die Software befindet sich damit noch in einer frühen Phase. Bedienung, Funktionen, Makros und insbesondere die vorgeschlagenen Trefffrequenzen können sich bis zur endgültigen Version und auch danach noch verändern.
Wer JTTY jetzt ausprobiert, gehört tatsächlich zu den frühen Anwendern einer neuen Amateurfunk-Betriebsart.
