DMØNDR in Moorfleet – warum sich die neue Relaisversorgung nicht überall gleich anfühlt

Seit dem Start von DMØNDR am neuen Standort Hamburg-Moorfleet gibt es unterschiedliche Rückmeldungen zur Reichweite und Signalqualität. Während das Relais in vielen Bereichen Hamburgs und darüber hinaus sehr gut aufgenommen werden kann, berichten einige Funkamateure insbesondere aus dem östlichen und südöstlichen Hamburger Raum von einer Verschlechterung.

Diese Beobachtungen sind durchaus nachvollziehbar. Sie bedeuten aber nicht zwangsläufig, dass mit dem neuen Relais etwas nicht stimmt. Vielmehr haben sich Standort, Antennenpositionen und damit die geometrischen Bedingungen gegenüber der bisherigen Versorgung deutlich verändert.

Von Bergedorf nach Moorfleet

Viele Funkamateure im Hamburger Osten waren über Jahre an die Versorgung durch DB0HHH in Hamburg-Bergedorf gewöhnt. Das inzwischen abgeschaltete Relais arbeitete auf 145,750 MHz im 2-m-Band sowie 438,625 MHz im 70-cm-Band.

Für Stationen in Bergedorf und den angrenzenden Gebieten war dieser Standort naturgemäß günstig. Kurze Entfernung und eine passende Richtung sorgten vielerorts für entsprechend gute Signale.

Mit DMØNDR befindet sich der Relaisstandort nun in Hamburg-Moorfleet bei 53.518555 N, 10.098571 E. Damit hat sich für Stationen im Hamburger Osten nicht nur die Entfernung verändert. Das Signal kommt teilweise aus einer deutlich anderen Richtung. Vereinfacht betrachtet hat sich für manche Station die bisher gewohnte Empfangssituation nahezu umgedreht.

Genau das ist bei der Beurteilung der neuen Versorgung wichtig.

DMØNDR wurde nicht als Ersatz für DB0HHH mit identischer Ausleuchtung gebaut

DMØNDR sollte nicht die Funkversorgung des alten Bergedorfer Standortes möglichst exakt nachbilden. Bei der Planung lag der Schwerpunkt vielmehr auf Hamburg sowie dem nördlichen Hamburger Raum und Schleswig-Holstein.

Hinzu kommen die baulichen Gegebenheiten am neuen Standort. Die Antennen befinden sich an einem Stahlgittermast. Bei einem solchen Aufbau ist die Position einer Antenne am Mast keineswegs bedeutungslos. Der Mast selbst beeinflusst das Abstrahlungsdiagramm und kann je nach Frequenz, Montageposition und Richtung zu deutlich unterschiedlichen Feldstärken führen.

Die Antennenanlage ist am Turm in Richtung 340° montiert. Die von uns anhand der vorliegenden Ausleuchtungsdarstellungen betrachteten Bereiche zeigen entsprechend keine rundum vollkommen gleichmäßige Versorgung.

Besonders interessant ist dabei, dass sich die benachteiligten Richtungen auf 2 m und 70 cm deutlich unterscheiden.

438,925 MHz – der Osten und Südosten ist benachteiligt

Bei der 70-cm-Frequenz 438,925 MHz zeigt sich ein deutlich benachteiligter Bereich ungefähr zwischen 90° und 145° vom Standort Moorfleet.

Damit liegt ausgerechnet ein Teil des Hamburger Ostens in einer ungünstigeren Richtung. Dazu gehören je nach genauer Position insbesondere Bereiche um Billwerder, Allermöhe, Neuallermöhe, Bergedorf und Lohbrügge sowie weiter östlich Reinbek und Wentorf. Auch in Richtung der Vier- und Marschlande setzt sich dieser Effekt teilweise fort.

Das bedeutet nicht, dass DMØNDR dort grundsätzlich nicht gearbeitet werden kann. Es bedeutet vielmehr, dass in diesem Sektor gegenüber günstigeren Richtungen mit einer geringeren Feldstärke gerechnet werden muss.

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Die Darstellung sollte deshalb auch nicht als exakte Feldstärkekarte verstanden werden. Gebäude, Gelände, lokale Abschattungen, Antennenhöhe und die Empfangsanlage des einzelnen Funkamateurs kommen zusätzlich hinzu.

145,725 MHz – ein anderes Bild

Interessanterweise sieht die Situation auf 145,725 MHz im 2-m-Band anders aus.

Hier befindet sich der deutlich benachteiligte Bereich nach der vorliegenden Ausleuchtungsdarstellung ungefähr zwischen 130° und 190°. Die Abschattung verschiebt sich damit stärker nach Süden beziehungsweise Südosten.

Davon sind unter anderem Bereiche der Vier- und Marschlande betroffen, insbesondere in Richtung Ochsenwerder, Neuengamme und Kirchwerder.

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Die beiden Darstellungen zeigen damit sehr anschaulich, warum die Aussage „Das neue Relais ist schlechter“ zu pauschal wäre. Die Versorgung ist anders. Je nach eigenem Standort und Frequenz kann sie besser, ähnlich oder schlechter als zuvor ausfallen.

Warum wurde nicht einfach in alle Richtungen eine weitere Antenne montiert?

Was auf den ersten Blick nach einer einfachen Lösung klingt, wäre technisch und finanziell erheblich aufwendiger gewesen.

Für 2 m arbeitet die Anlage mit einer getrennten RX-/TX-Lösung und zwei Antennen. Eine zusätzliche Versorgungsrichtung hätte daher nicht lediglich bedeutet, irgendwo eine weitere Antenne anzuschrauben. Zusätzliche Antennenplätze, Stahlbau, Leitungen und eine entsprechende HF-Verteilung wären erforderlich gewesen.

Auch auf 70 cm wäre eine zusätzliche Richtung mit erheblichen Nachteilen verbunden. Der HF-Pfad müsste aufgeteilt werden, beispielsweise über einen 3-dB-Koppler. Jeder zusätzliche Verlust ist an diesem Standort relevant.

Die Dimensionen der Anlage machen das deutlich: Zwischen Technik und Antenne liegen 145, und 185 Meter 7/8-Zoll-Kabel. Nach Combiner, Filtern und Kabelverlusten bleibt von der ursprünglich erzeugten Senderleistung naturgemäß nur ein Teil unmittelbar am Antennenfußpunkt übrig. Eine weitere Aufteilung hätte nochmals etwa 3 dB gekostet – vereinfacht gesagt ungefähr die Hälfte der dort noch verfügbaren Leistung.

Dazu kommt der erhebliche finanzielle Aufwand.

Bereits die heute realisierte Installation hat eine Größenordnung erreicht, für die man auch einen ordentlichen Kleinwagen kaufen könnte. Darin stecken nicht nur Antennen und Kabel, sondern unter anderem 330m Meter hochwertiges 7/8 Zoll Antennenkabel, dessen fachgerechte Verlegung, speziell angefertigter Stahlbau, technische Zeichnungen sowie die Montage durch eine entsprechend ausgerüstete Fachfirma am Mast.

Eine zusätzliche Versorgung einer weiteren Richtung hätte deshalb nicht einfach „eine Antenne mehr“ bedeutet, sondern einen weiteren erheblichen technischen und finanziellen Aufwand nach sich gezogen.

Das ist also keine typische Relaisinstallation, bei der man nachträglich ohne größeren Aufwand noch eine weitere Antenne an einen Mast setzt.

Vier Antennenplätze statt ursprünglich einem

Ein weiterer Punkt geht bei der Betrachtung der fertigen Anlage leicht verloren.

Ursprünglich stand der Amateurfunk-Betriebssportgruppe am Standort traditionell ein mietfreier Antennenplatz zur Verfügung. Im Zuge des Neubaus musste deshalb ein Konzept entwickelt und mit den Beteiligten abgestimmt werden.

Am Ende konnten für den Amateurfunk insgesamt vier Antennenpositionen realisiert werden: zwei auf etwa 82 Metern für HAMNET sowie weitere Positionen auf ungefähr 145 und 185 Metern. Zusätzlich steht ein Technikraum auf einer Mastbühne zur Verfügung.

Das ist erheblich mehr Infrastruktur, als ursprünglich vorgesehen war. Gleichzeitig mussten bei einem Stahlgittermast zwangsläufig Prioritäten gesetzt werden. Eine perfekte 360°-Versorgung aller Hamburger Randgebiete war unter diesen Rahmenbedingungen nicht realisierbar.

Der Osten war eine bewusste Abwägung

Dass Bergedorf und die weiter östlich gelegenen Gebiete schlechter versorgt werden, war bei der Planung grundsätzlich bekannt. Die Hoffnung bestand darin, diese Gebiete zumindest über einen Nebenbereich des Antennendiagramms aus Moorfleet zu erreichen.

Genau das scheint in der Praxis auch zu funktionieren: Es geht – aber eben nicht überall so gut wie früher mit einem Relais direkt in Bergedorf.

Bei der Priorisierung spielte zudem die Erfahrung mit früheren Relaisstandorten eine Rolle. Mit DB0OST hatte es bereits eine sehr gute 2-m-Versorgung des östlichen Raumes von Bergedorf in Richtung Schwerin gegeben. Nach den Erfahrungen des damaligen Betreibers wurde diese große Reichweite jedoch vergleichsweise wenig genutzt. Auch diese Erfahrung floss in die Entscheidung ein, bei der neuen Anlage andere Versorgungsrichtungen höher zu gewichten.

Vielleicht muss sich nicht nur der Relaisstandort ändern

Für diejenigen, die zuvor DB0HHH hervorragend empfangen konnten und nun genau in einem ungünstigen Sektor von DMØNDR liegen, ist die Enttäuschung trotzdem verständlich. Objektiv kann sich die persönliche Situation tatsächlich verschlechtert haben.

Aber gerade hier beginnt auch ein interessanter Teil unseres Hobbys.

Wenn sich der Sendestandort um mehrere Kilometer verschiebt und das Signal plötzlich aus einer ganz anderen Richtung kommt, muss die Empfangsantenne nicht zwangsläufig an genau derselben Stelle bleiben, an der sie für das alte Relais optimal funktioniert hat.

Gerade bei Zimmer-, Dachboden- und Balkonantennen können schon relativ kleine Positionsänderungen erstaunliche Auswirkungen haben. Ein anderer Platz auf dem Balkon, einige Meter seitlicher Versatz, eine andere Höhe oder eine andere Position zur Gebäudekante können den Empfang verändern. Gebäude, Stahlbeton, metallbedampfte Fenster, Dächer und andere Konstruktionen erzeugen Abschattungen und Reflexionen.

Es lohnt sich deshalb, mit der eigenen Antennenposition zu experimentieren.

Das Gleiche gilt natürlich für die Sendeseite. Ein Relais, das mit dem Handfunkgerät am bisherigen Lieblingsplatz gerade nicht mehr zuverlässig erreichbar ist, kann wenige Meter weiter bereits ganz anders aussehen.

Genau dafür sind wir Funkamateure

Amateurfunk besteht nicht nur darin, ein Funkgerät einzuschalten und zu erwarten, dass jede Verbindung unter allen Bedingungen funktioniert.

Antennen ausprobieren, Standorte verändern, Signale vergleichen, Ursachen suchen und Lösungen entwickeln gehören seit jeher zu diesem Hobby.

Wer die Möglichkeiten dazu selbst nicht hat oder bei Antennen und Funktechnik noch wenig Erfahrung besitzt, muss damit ebenfalls nicht allein bleiben. Genau dafür gibt es Ortsverbände und andere Funkamateure. Eine gemeinsame Messung vor Ort oder Hilfe bei der Suche nach einem besseren Antennenstandort kann manchmal mehr bewirken als zusätzliche Sendeleistung.

DMØNDR kann und soll DB0HHH daher nicht eins zu eins ersetzen. Es ist ein neuer Standort mit einem anderen Versorgungskonzept und anderen technischen Rahmenbedingungen.

Für einige Funkamateure bedeutet das eine Verbesserung, für andere kaum einen Unterschied – und für Stationen in den ungünstigen Sektoren leider auch eine Verschlechterung.

Die beiden Ausleuchtungsdarstellungen helfen zumindest zu verstehen, warum das so ist. Und wer sich ausgerechnet in einem dieser Bereiche befindet, hat damit gleichzeitig einen guten Anlass, einmal auszuprobieren, was sich auf der eigenen Seite der Funkstrecke noch verändern lässt.

Am Ende sollten wir auch eines nicht vergessen

Bei allen Diskussionen über Ausleuchtung, Abschattungen und darüber, ob das Relais am eigenen Standort nun besser oder schlechter zu arbeiten ist, sollten wir eines nicht aus den Augen verlieren:

Wir können froh, dankbar und auch ein wenig stolz darauf sein, dass dem Amateurfunk in Hamburg überhaupt ein solcher Standort zur Verfügung steht.

Es ist alles andere als selbstverständlich, dass unserem Hobby an einer derartigen technischen Infrastruktur dieser Stellenwert eingeräumt wird. Noch weniger selbstverständlich ist es, unter den gegebenen baulichen, technischen und organisatorischen Bedingungen mehrere Antennenpositionen in solchen Höhen für den Amateurfunk realisieren zu können.

Wenn man betrachtet, was dafür an Planung, Abstimmung, Stahlbau, Kabelwegen, Finanzierung und letztlich auch Überzeugungsarbeit notwendig war, kann man sich ungefähr vorstellen, wie lang und wahrscheinlich manchmal auch nervenaufreibend der Weg bis zur heutigen Anlage gewesen sein muss.

Natürlich darf man feststellen, wenn sich die eigene Versorgung gegenüber DB0HHH verschlechtert hat. Das ist für einige Stationen schlicht eine Tatsache. Aber daraus sollte nicht der Eindruck entstehen, das neue Relais oder sein Standort seien deshalb grundsätzlich schlecht. Ein Relaisstandort dieser Qualität ist ein Privileg und keine Selbstverständlichkeit.

Und vielleicht passt gerade deshalb ein sehr alter Grundgedanke unseres Hobbys besonders gut:

Nicht nur darüber sprechen, was nicht funktioniert – ausprobieren, messen und gemeinsam nach einer Lösung suchen.

Wer DMØNDR aufgrund seiner Lage im benachteiligten Sektor nur schlecht erreicht, sollte mit seiner Antenne experimentieren. Wer dabei nicht weiterkommt, fragt andere Funkamateure oder seinen Ortsverband. Und wer Erfahrung mit Antennen, Ausbreitung und Messtechnik hat, kann vielleicht genau dort helfen.

Denn auch das ist Amateurfunk: Wissen weitergeben und einander helfen.

Wir können den Standort des Relais nicht für jeden einzelnen Funkamateur optimal machen. Aber gemeinsam können wir vielleicht dafür sorgen, dass der eine oder andere seinen eigenen Standort ein kleines Stück besser macht.

Und damit wäre am Ende allen mehr geholfen.

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