Zurück nach Moorfleet – Hamburger Relaisgeschichte von DB0ZE bis DM0NDR
Mit DM0NDR entsteht 2026 am NDR-Senderstandort Hamburg-Moorfleet ein neuer Amateurfunkstandort. Für die Hamburger Funkamateure ist Moorfleet allerdings alles andere als neu: Bereits 1987 wurde dort mit DB0ZE ein Relais installiert. Fast vier Jahrzehnte später beginnt nun ein neues Kapitel – auf einem neuen Sendemast, aber teilweise sogar auf einer alten, traditionsreichen Frequenz.
Ein besonderer Funkstandort in Hamburg
Der Senderstandort Billwerder-Moorfleet gehört seit vielen Jahrzehnten zur Hamburger Rundfunkgeschichte. Bereits 1934 nahm dort ein 100-kW-Großrundfunksender seinen Betrieb auf. Später wurde Moorfleet zu einem wichtigen Senderstandort des NDR.
Für Funkamateure bot der Standort ebenfalls hervorragende Voraussetzungen: freie Lage, professionelle Infrastruktur und vor allem große Antennenhöhen. So begann Ende der 1980er-Jahre auch die Amateurfunkgeschichte auf dem Moorfleeter Sendemast.
1987: DB0ZE geht in Moorfleet in Betrieb
Im Jahr 1987 wurde DB0ZE am NDR-Senderstandort Hamburg-Moorfleet installiert. Damit begann eine Relaisgeschichte, die – mit technischen Veränderungen und Unterbrechungen – fast 40 Jahre Bestand haben sollte.
DB0ZE war Teil eines größeren UHF-Sprechfunknetzes, das in dieser Zeit im Umfeld der NDR-Amateurfunkaktivitäten entstand. Zu diesem Netz gehörten unter anderem Relaisfunkstellen an NDR-Senderstandorten in Moorfleet, auf dem Bungsberg und in Neumünster sowie weitere Standorte.
Auch ein zweites Rufzeichen taucht in der frühen Moorfleet-Geschichte auf: DB0JY. Aus diesem Relais wurde später DB0AGM in Lüneburg.
Eine historische Chronik von DB0AGM liefert dazu ein interessantes Detail: Im Jahr 2000 übernahm DB0AGM die Duplexfrequenzen 438,575 / 430,975 MHz von DB0ZE in Moorfleet. Damit lässt sich nachvollziehen, dass DB0ZE im Laufe seiner langen Geschichte nicht immer auf der Frequenz arbeitete, mit der viele Hamburger Funkamateure das Relais später verbinden sollten.
438,925 MHz – eine Hamburger Relaisfrequenz
Später wurde insbesondere 438,925 MHz eng mit DB0ZE und Moorfleet verbunden. Die Frequenz entwickelte sich über die Jahre zu einer bekannten Relaisfrequenz im Hamburger Raum. Aufgrund des exponierten Standortes waren Verbindungen weit über das eigentliche Hamburger Stadtgebiet hinaus möglich.
Und genau diese Frequenz wird uns später noch einmal begegnen.
Vom analogen Relais zu DMR
Wie viele Relaisstandorte wurde auch Moorfleet im Laufe der Jahrzehnte technisch weiterentwickelt.
Ein größerer Schritt erfolgte 2014. Im September dieses Jahres wurde DB0ZE auf 438,925 MHz als DMR-Relais vom NDR-Sendemast in Moorfleet in Betrieb genommen. Zeitgenössische Berichte nennen eine Antennenhöhe von etwa 175 Metern. Damit begann für DB0ZE das digitale Zeitalter.
2017 wurde die DMR-Technik nochmals erneuert beziehungsweise neu installiert. Seit Juni 2017 arbeitete dort ein DMR-Repeater im BrandMeister-Netz in etwa 170 Metern Höhe. Die Anbindung an das BrandMeister-Netz erfolgte über HAMNET.
Die exponierte Position machte sich bemerkbar. DB0ZE war nicht nur in Hamburg, sondern auch im Hamburger Umland und in weiten Teilen Südholsteins gut erreichbar.
Technik in 170 Metern Höhe
Ein Relais auf einem großen Rundfunk-Sendemast ist natürlich etwas anderes als eine Anlage auf einem normalen Hausdach. Wartungsarbeiten müssen mit den betrieblichen Gegebenheiten eines solchen Senderstandortes abgestimmt werden.
Ein Beispiel stammt aus den Jahren 2021/2022: DB0ZE war wegen notwendiger Arbeiten an der Richtfunkstrecke und am Relais längere Zeit außer Betrieb.
Am 25. Februar 2022 konnte die Technik wieder auf den Sendemast gebracht werden. Dabei wurden auch die Richtfunkantennen in Richtung Hamburg-Lokstedt neu ausgerichtet und die HAMNET-Anbindung reaktiviert.
Solche Arbeiten zeigen, wie viel Aufwand hinter einem Relais steckt, das für uns Funkamateure im täglichen Betrieb häufig einfach „da“ ist.
Das Ende des alten Moorfleeter Sendemastes
Nach rund 65 Jahren näherte sich schließlich auch die Lebensdauer des großen Rohrmastes in Moorfleet ihrem Ende.
Ende 2025 wurde unmittelbar daneben ein neuer Stahlgittermast errichtet. Mit rund 304 Metern Höhe ist der neue Mast nur geringfügig höher als sein Vorgänger; die beiden Maststandorte liegen ungefähr 80 Meter auseinander.
Der alte Rohrmast wird nach der Inbetriebnahme des Neubaus zurückgebaut. Damit war klar: Auch die Amateurfunktechnik musste ihren bisherigen Platz verlassen.
2. Juni 2026: DB0ZE verstummt
Nach fast vier Jahrzehnten endete schließlich ein Stück Hamburger Amateurfunkgeschichte. Am 2. Juni 2026 wurde DB0ZE in Moorfleet außer Betrieb genommen und abgebaut.
Das 1987 installierte Relais hatte damit nach rund 39 Jahren seinen Dienst am Standort beendet – zunächst als klassisches analoges Relais und in seinen letzten Jahren als DMR-Repeater im BrandMeister-Netz.
DMR-Verbindungen im Hamburger Raum blieben über andere Relais möglich. Doch das Ende von DB0ZE bedeutete keineswegs das Ende des Amateurfunks in Moorfleet.
Im Gegenteil: Auf dem neuen Mast beginnt ein neues Kapitel.
DM0NDR – der Amateurfunk kehrt zurück
Parallel zum Neubau des NDR-Sendemastes entstand die Planung für einen neuen Amateurfunkstandort. Das neue Rufzeichen lautet DM0NDR.
Der Standort bleibt Hamburg-Moorfleet, Locator JO53BM.
Für DM0NDR sind nach aktuellem Planungsstand drei Relais vorgesehen:
2 m FM: 145,725 MHz, Ablage −600 kHz
70 cm FM: 438,925 MHz, Ablage −7,6 MHz
70 cm C4FM: 439,575 MHz, Ablage −7,6 MHz
Damit schließt sich auch technisch ein Kreis.
438,925 MHz kehrt zurück
Besonders interessant ist die 70-cm-Frequenz 438,925 MHz. Sie war bereits über viele Jahre mit DB0ZE und dem Standort Moorfleet verbunden und wurde zuletzt dort für DMR verwendet.
Mit DM0NDR soll 438,925 MHz wieder im analogen FM-Betrieb aus Moorfleet zu hören sein. Aus einer bekannten Moorfleet-Frequenz wird damit wieder eine klassische FM-Relaisfrequenz.
Auch auf 2 Metern verändert sich die Hamburger Relaislandschaft
DM0NDR ist zugleich Teil einer größeren Neuordnung der Hamburger Relaislandschaft.
Nach den im September 2026 veröffentlichten Planungen sollen die bisherigen FM-Relais bei DB0HHH in Hamburg-Lohbrügge ihren Betrieb einstellen. Das dortige 2-m-Relais arbeitet auf 145,750 MHz, das 70-cm-Relais auf 438,625 MHz. Der 10-m-Empfänger für DF0HHH sowie die HAMNET-Anbindungen sollen am Standort Lohbrügge bestehen bleiben.
Für die zukünftige 2-m-Versorgung Hamburgs ist eine Kombination aus den Standorten Moorfleet und Rosengarten vorgesehen.
DM0NDR soll auf 145,725 MHz aus Moorfleet arbeiten. Zusätzlich ist vorgesehen, die bisherige 145,750-MHz-Frequenz von DB0HHH zukünftig bei DF0HHH in Rosengarten einzusetzen.
Damit entsteht eine neue geografische Aufteilung der 2-m-Relaisversorgung für Hamburg und das Umland.
Ehrenamtliches Engagement der NDR-Betriebssportgruppe Amateurfunk
Dass an einem besonderen Standort wie Hamburg-Moorfleet überhaupt Amateurfunktechnik betrieben werden kann, ist keine Selbstverständlichkeit.
Hinter dem Aufbau und der Pflege von DM0NDR steht die Betriebssportgruppe Amateurfunk des NDR. Die Funkamateure kümmern sich ehrenamtlich um Planung, Aufbau, Betrieb, Wartung und Weiterentwicklung der Amateurfunktechnik.
Für den Aufbau von DM0NDR zeichnet insbesondere Malte, DH4HAM, verantwortlich.
Ein Relais an einem solchen Standort bedeutet erheblich mehr Arbeit, als man beim Drücken der PTT-Taste zunächst vermuten würde. Technik muss geplant und beschafft, Antennen und Leitungen müssen installiert, Filter abgestimmt, Netzwerkverbindungen eingerichtet und Störungen beseitigt werden. Hinzu kommen Wartung, Reparaturen und irgendwann auch der Ersatz ausgefallener Komponenten.
All das kostet nicht nur viel Freizeit, sondern auch Geld.
Unterstützung und Spenden sind willkommen
Die Amateurfunkaktivitäten der Betriebssportgruppe werden für den Aufbau und die Pflege der Relaistechnik nicht finanziert. Umso wichtiger ist die Unterstützung aus der Amateurfunkgemeinschaft.
Spenden zur Unterstützung des Relaisstandortes und der damit verbundenen Amateurfunktechnik sind daher jederzeit willkommen.
Wer DM0NDR und die Arbeit der Betriebssportgruppe Amateurfunk des NDR unterstützen möchte, findet weitere und aktuelle Informationen auf QRZ.com unter dem Rufzeichen DM0NDR.
Dort sollen auch aktuelle Informationen zum Aufbau und Betrieb des neuen Relaisstandortes veröffentlicht werden.
Ein großes Dankeschön
An dieser Stelle möchten wir vom DARC-Ortsverband Süd-Stormarn (E38) ausdrücklich Danke sagen.
Unser besonderer Dank gilt der Betriebssportgruppe Amateurfunk des NDR und allen Beteiligten, die ihre Freizeit, ihr technisches Wissen und ihre persönliche Initiative in dieses Projekt investieren.
Ein besonderer Dank geht an Malte, DH4HAM, für seinen Einsatz beim Aufbau des neuen Relaisstandortes DM0NDR.
Ebenso gilt unser Dank dem NDR, der den Betrieb von Amateurfunktechnik an seinen Standorten ermöglicht. Ohne diese Zusammenarbeit und die Möglichkeit, die Infrastruktur eines solchen Senderstandortes zu nutzen, wären Relaisstandorte dieser Qualität kaum zu realisieren.
Und nicht zuletzt danken wir allen Funkamateuren und Unterstützern, die solche Projekte durch Mitarbeit, technisches Wissen, Material oder eine Spende ermöglichen.
Denn ein Relais entsteht nicht allein durch Funkgeräte, Antennen und Kabel. Es braucht Menschen, die planen, bauen, warten, Fehler suchen und auch Jahre später noch dafür sorgen, dass die Technik zuverlässig funktioniert.
DM0NDR ist deshalb nicht nur ein neuer Relaisstandort. Es ist auch ein Beispiel dafür, was ehrenamtliches Engagement im Amateurfunk möglich macht.
Von DB0ZE zu DM0NDR – fast 40 Jahre in Kürze
1987 – Installation von DB0ZE am NDR-Senderstandort Moorfleet.
1980er/1990er Jahre – DB0ZE ist Bestandteil der Hamburger UHF-Relaislandschaft. Zeitweise arbeitet das Relais unter anderem auf 438,575 MHz.
2000 – Die Frequenzen 438,575 / 430,975 MHz gehen von DB0ZE Moorfleet an DB0AGM.
2014 – DB0ZE startet auf 438,925 MHz als DMR-Relais vom NDR-Mast in Moorfleet.
2017 – DMR-Betrieb im BrandMeister-Netz mit Technik in rund 170 Metern Höhe und HAMNET-Anbindung.
2021/2022 – Wartungsarbeiten an Relais und Richtfunkstrecke.
25. Februar 2022 – Die Technik wird wieder auf den Sendemast gebracht und die HAMNET-Anbindung reaktiviert.
Ende 2025 / 2026 – Der rund 65 Jahre alte NDR-Rohrmast wird durch einen neuen, etwa 304 Meter hohen Stahlgittermast ersetzt.
2. Juni 2026 – DB0ZE wird nach rund 39 Jahren außer Betrieb genommen und vom alten Mast abgebaut.
2026 – Auf dem neuen NDR-Mast entsteht mit DM0NDR ein neuer Amateurfunkstandort für 2 m und 70 cm.
September 2026 – Die Inbetriebnahme von DM0NDR ist nach aktuellem Planungsstand für die 39. Kalenderwoche 2026 vorgesehen.
Moorfleet funkt weiter
Der Standort verbindet inzwischen mehrere Generationen Hamburger und norddeutscher Funkamateure.
Wer in den 1980er- oder 1990er-Jahren über DB0ZE gearbeitet hat, kennt Moorfleet noch aus der klassischen analogen Relaiszeit. Eine jüngere Generation kennt DB0ZE möglicherweise vor allem als weitreichendes DMR-Relais. Mit DM0NDR beginnt nun die nächste Generation.
Auch technisch ist diese Entwicklung bemerkenswert: Vom analogen UHF-Sprechfunk über DMR und HAMNET bis zum neuen Standort mit FM auf 2 m und 70 cm sowie C4FM auf 70 cm spiegelt Moorfleet einen guten Teil der technischen Entwicklung des Amateurfunks der vergangenen vier Jahrzehnte wider.
Während sich Rufzeichen, Technik und sogar der große Sendemast verändert haben, bleibt eines erhalten:
Moorfleet funkt weiter!
Wir vom DARC-Ortsverband Süd-Stormarn (E38) wünschen dem Team der NDR-Betriebssportgruppe Amateurfunk viel Erfolg bei der Inbetriebnahme von DM0NDR und hoffen, das neue Relais schon bald aus vielen Teilen Hamburgs, Schleswig-Holsteins und des Umlandes arbeiten zu können.
Ein großes Dankeschön an alle Beteiligten für ihre Arbeit und ihr Engagement für den Amateurfunk!
73 vom DARC-Ortsverband Süd-Stormarn (E38)
