Mit DF0TX/p auf Neuwerk – IOTA Contest 2026 zwischen Watt, Funk und Nordseewetter

Vier Funkfreunde, ein paar robuste Kisten voller Funktechnik, zwei 12-Meter-Masten und eine kleine Insel mitten im Wattenmeer: Vom 23. bis 29. Juli 2026 ging es für SWL Hans Peter, DL1LAD Dieter, DO3HJW Hans Jörg und DL4HG Olaf nach Neuwerk. Aus einem Kurzurlaub wurde gleichzeitig eine kleine DXpedition – mit Teilnahme am RSGB IOTA Contest und am Ende deutlich mehr als 1.000 QSOs im Log.

Auf nach Neuwerk

Am 23. Juli machten wir uns zu viert auf den Weg: SWL Hans Peter, DL1LAD Dieter, DO3HJW Hans Jörg und DL4HG Olaf. Unser Ziel war die Insel Neuwerk. Geplant war eine Kombination, wie sie für Funkamateure kaum besser sein könnte: ein paar Tage Kurzurlaub an der Nordsee und gleichzeitig die Teilnahme am RSGB IOTA Contest 2026.
Der IOTA Contest – „Islands on the Air“ – gehört zu den großen internationalen Wettbewerben des RSGB. Das Ziel ist dabei ausdrücklich, Funkverbindungen zwischen Stationen auf anerkannten Inselgruppen und dem Rest der Welt zu fördern und Funkexpeditionen auf diese Inseln anzuregen. 2026 lief der eigentliche Wettbewerb vom 25. Juli, 12:00 UTC, bis zum 26. Juli, 12:00 UTC. Gefunkt werden durfte auf 80, 40, 20, 15 und 10 Metern in CW und SSB.
Doch bevor der erste CQ-Ruf über den Äther gehen konnte, musste die Station erst einmal auf die Insel.

Wenn das Funkgepäck mit dem Trecker fährt

Mit dem PKW ging es zunächst nach Sahlenburg bei Cuxhaven. Dort endete für unsere Ausrüstung die Fahrt auf vier normalen Rädern. Das gesamte Gepäck wurde auf der Verladerampe für den Treckertransfer nach Neuwerk abgestellt.
Wer so eine Tour häufiger macht, lernt schnell eine wichtige Regel: Mitnehmen, was man braucht – aber möglichst nichts, was man nicht braucht. Mittlerweile sind wir darin recht geübt. Trotzdem kommt für eine komplette Kurzwellenstation einiges zusammen.
Herzstück der Station war ein Icom IC-7300, dazu Schaltnetzteil, Laptop, Schreibtischlampe und ein Annecke-Antennenkoppler. Bei der Antenne setzen wir auf eine bewährte und erstaunlich universelle Lösung: eine Doppelzepp mit zweimal 13 Metern Strahlerlänge und rund 20 Metern Hühnerleiter. Als Antennenträger dienen zwei 12 Meter lange Spiderbeam-Masten, natürlich ordentlich abgespannt – denn an der Nordsee sollte man den Wind besser nicht unterschätzen.
Die Konstruktion ist leicht, robust und funktioniert auf den Amateurfunkbändern von 10 bis 80 Metern ausgesprochen gut. Genau das Richtige also für eine portable Station, die zunächst per Auto und anschließend per Trecker auf eine Nordseeinsel transportiert werden muss.
Bis auf die beiden langen Masten verschwindet die komplette Funktechnik tatsächlich in zwei Pelicases und zwei alten Aluminium-Sanitätskisten der Bundeswehr aus dem Jahr 1965. Man könnte also sagen: moderne SDR-Funktechnik trifft auf Verpackungstechnik, die bereits einige Jahrzehnte mehr auf dem Buckel hat. Hauptsache stabil – und das sind die Kisten zweifellos.

Unser Shack: ein Gartenhäuschen auf Neuwerk

Vor Ort mussten wir glücklicherweise nicht im Zelt schlafen. Unser Quartier war das Hotel „Das alte Fischerhaus“, wo wir ausgesprochen bequem untergebracht waren. Der eigentliche Funkbetrieb fand dagegen in einem zum Hotel gehörenden Gartenhäuschen statt.
Damit hatten wir eigentlich alles, was eine kleine DXpedition braucht: einen trockenen Platz für Funkgerät und Computer, Strom, genügend Raum für die Station – und draußen Platz für unsere Antenne. Aus dem beschaulichen Gartenhäuschen wurde für einige Tage der Shack von DF0TX/p.
Laptop auf den Tisch, IC-7300 daneben, Antennenkoppler anschließen, Mikrofon beziehungsweise Taste bereit – und schon konnte aus einem kleinen Häuschen auf Neuwerk eine Station werden, die plötzlich auf den Bändern in ganz Europa und darüber hinaus zu hören war.

Nordseewetter inklusive

Auch das Wetter zeigte in diesen Tagen, was die Nordseeküste im Sommer zu bieten hat. Bei unserer Ankunft am 23. Juli war es mit maximal etwa 18 °C eher frisch. Auch der folgende Tag blieb mit rund 19 °C gemäßigt. Am Samstag, dem 25. Juli, wurde es mit rund 23,5 °C bereits deutlich angenehmer.
Der Sonntag machte seinem Ruf als norddeutscher Sommertag dann weniger Ehre: Bei knapp 20 °C wurden in Cuxhaven rund 17,7 Millimeter Niederschlag registriert. Danach wurde es wieder trockener. Am 28. Juli wurden rund 23,5 °C erreicht – und zum Abschluss am 29. Juli legte der Sommer richtig los: Die Wetterstation Cuxhaven verzeichnete eine Höchsttemperatur von gut 31 °C.
Von Pulloverwetter über Regen bis Hochsommer war damit innerhalb einer Woche praktisch alles vertreten. Und Ende Juli sind die Tage dort oben lang: Am 23. Juli ging die Sonne in Cuxhaven erst gegen 21:38 Uhr unter, am 29. Juli immer noch gegen 21:29 Uhr. Viel Zeit also, um Neuwerk auch außerhalb des Shacks zu genießen.

Dann wird aus Urlaub Contest

Am Samstagmittag wurde es ernst. Der RSGB IOTA Contest begann – und DF0TX/p war dabei.
Wir arbeiteten sowohl in SSB als auch in CW. Nun zeigte sich, dass unsere vergleichsweise überschaubare portable Ausrüstung vollkommen ausreichte. Der IC-7300, die Doppelzepp und die beiden Spiderbeam-Masten bildeten eine unkomplizierte Station, mit der auf mehreren Bändern Betrieb gemacht werden konnte.
Und offenbar war DF0TX/p auf den Bändern gut zu hören. Ein QSO folgte auf das nächste, das Log füllte sich und aus dem Kurzurlaub mit „ein bisschen Contestbetrieb“ wurde ein durchaus respektabler Funkbetrieb.
Nach dem Wettbewerb standen schließlich rund 1.000 Contest-QSOs im Log. Hinzu kamen ungefähr 100 weitere Verbindungen vor und nach dem eigentlichen Wettbewerb. Damit wurden während unseres Aufenthalts auf Neuwerk insgesamt rund 1.100 QSOs gefahren.
Nicht schlecht für einen IC-7300, eine Doppelzepp, zwei Glasfasermasten und einen Shack im Gartenhäuschen.

Amateurfunk muss nicht kompliziert sein

Vielleicht ist genau das eine der schönsten Erkenntnisse solcher Unternehmungen. Für eine gelungene Funkreise braucht es nicht zwangsläufig einen Anhänger voller Technik, mehrere Kilowatt Endstufenleistung oder einen Antennenpark, der einem kommerziellen Kurzwellensender Konkurrenz macht.
Eine vernünftig zusammengestellte Station, eine bewährte Antenne, etwas Erfahrung und ein Team, das weiß, was es tut, können erstaunlich viel bewirken.
Natürlich gehört auch ein wenig Improvisation dazu. Schließlich befindet man sich nicht im heimischen Shack, wo das vergessene Kabel irgendwo in der nächsten Schublade liegt. Auf einer Insel ist das vergessene Kabel eben ein wirklich vergessenes Kabel. Aber gerade das gehört zum Reiz einer solchen Unternehmung.

Eine Woche, die in Erinnerung bleibt

Am 29. Juli hieß es schließlich wieder zusammenpacken. Die Masten wurden eingefahren, die Doppelzepp verschwand wieder im Gepäck und IC-7300, Netzteil, Koppler und Zubehör wanderten zurück in Pelicases und die unverwüstlichen alten Sanitätskisten.
Hinter uns lagen sechs Tage Neuwerk, wechselhaftes Nordseewetter, ein internationaler Contest und rund 1.100 Funkverbindungen. Vor allem aber war es genau die Mischung, die solche Amateurfunk-Unternehmungen besonders macht: gemeinsam unterwegs sein, improvisieren, Technik aufbauen, funken – und dabei einfach eine gute Zeit haben.
Oder anders gesagt: Vier Funkfreunde fahren mit ein paar Kisten und zwei Masten auf eine kleine Insel im Wattenmeer – und kurze Zeit später steht diese Insel über Funk mit der Welt in Verbindung.
73 de Olaf, DL4HG

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