Wenn Leuchttürme und Feuerschiffe auf Sendung gehen

Einmal im Jahr werden Leuchttürme und Feuerschiffe rund um den Globus zu ganz besonderen Amateurfunkstandorten. Beim International Lighthouse Lightship Weekend (ILLW) treffen Amateurfunk und maritime Geschichte aufeinander – und genau das macht den besonderen Reiz dieser Veranstaltung aus.

Die Ursprünge des heutigen ILLW reichen bis 1993 nach Schottland zurück. Mitglieder der Ayr Amateur Radio Group suchten damals nach einer Idee für eine sommerliche Funkaktivität und entschieden sich für Leuchttürme. Aus zunächst elf beteiligten Stationen entwickelte sich im Laufe der Jahre eine internationale Veranstaltung. Heute findet das ILLW traditionell am dritten vollständigen Wochenende im August statt und bringt Funkamateure an Leuchttürmen und Feuerschiffen in zahlreichen Ländern zusammen.  

Dabei geht es ausdrücklich nicht um einen Contest. Es gibt keine Punktejagd, keine Platzierungen und keinen Preis dafür, möglichst viele QSOs in möglichst kurzer Zeit ins Log zu bekommen. Vielmehr sollen Amateurfunk, Leuchttürme, Feuerschiffe und andere historische Seezeichen einer breiteren Öffentlichkeit nähergebracht werden. Gleichzeitig trägt das Wochenende dazu bei, auf die Bedeutung und den Erhalt dieses maritimen Kulturerbes aufmerksam zu machen. Gerade deshalb sind Gespräche und Kontakte zwischen den beteiligten Stationen ausdrücklich Teil des Gedankens hinter dem ILLW.  

Für Hans-Jörg ( DO3HJW) und seinen Funkfreund ist dieses eine Wochenende im Jahr längst zu einer Tradition geworden. Seit mehr als 20 Jahren nehmen sie regelmäßig daran teil. Viele Jahre führte sie das ILLW auf die Insel Neuwerk, wo sie ihre Amateurfunkstation DL0LNW direkt in den Räumen des Leuchtturms aufbauen und die Antennen vom Turm abspannen konnten.

Doch der Neuwerker Leuchtturm wird derzeit umfangreich restauriert und steht deshalb für mehrere Jahre nicht als Funk-QTH zur Verfügung. Für jemanden, der sich nicht nur für Amateurfunk, sondern auch für maritime Geschichte begeistert, musste also eine Alternative gefunden werden.

Und manchmal führt eine solche Suche zu etwas ganz Besonderem.

Über ihre Aktivitäten mit einer Morsestation und den Kontakt zum Museumshafen Oevelgönne entstand schließlich eine Idee: Warum nicht Amateurfunk direkt von einem historischen Feuerschiff aus betreiben?

Nicht von irgendeinem Feuerschiff, sondern von der 1888 gebauten ELBE 3 im Museumshafen Oevelgönne – einem bis heute fahrbereiten Stück Hamburger Schifffahrtsgeschichte.

Aus einer Idee wurde ein Projekt. Eine Funkstation wurde eingerichtet, eine Antenne zwischen den Masten gespannt, die Verträglichkeit mit der nautischen Technik des Schiffes geprüft und schließlich das Amateurfunkrufzeichen DA0LE beantragt. Heute trägt die Station den DOK E38 und Amateurfunk gehört damit wieder zum Kommunikationsraum dieses historischen Schiffes.

Damit war auch der Weg frei für eine ganz besondere Premiere: die Teilnahme am International Lighthouse Lightship Weekend 2026 direkt von Bord der ELBE 3 unter der ILLW-Referenz DE0150.

Und wie sich herausstellen sollte, waren die rund 750 QSOs an diesem Wochenende nur ein Teil dessen, was diese Aktivierung so besonders machte.

Hans-Jörg berichtet, wie aus einer langjährigen ILLW-Tradition die Amateurfunkstation DA0LE auf der ELBE 3 entstand – und wie es sich anfühlt, aus dem ehemaligen Kommunikationsraum eines 138 Jahre alten Feuerschiffes auf Sendung zu gehen. Hier ist sein Bericht:

Mein Funkfreund Hans-Jörg nehmen schon seit über 20 Jahren regelmäßig aktiv Leuchtturmwochenode teil. Bis zu dem vergangenem Jahr erfolgte dies vom Leuchtturm auf der Insel Neuwerk, wo wir unsere Funkstationen (DL0LNW) in den Räumlichkeiten des Leuchtturms aufbauen konnten und die Antennen vom Leuchtturm herunter spannen konnten. Da der Leuchtturm z.Zt. sehr umfangreich restauriert wird, ist diese QTH für mehrere Jahre nicht nutzbar.

Da wir im maritimen Bereich engagiert sind, haben wir im „Deutschen Hafenmauseum“ in Zusammenarbeit mit „Hafenkultur e.V“ zu bestimmten Anlässen eine Morsestation (Zeichen geben mit Taste, Anzeige des Zeichens an einem Monitor) in Betrieb genommen. Die Morsetation .wurde von den Besucher gut angenommen. Wir wurden von dem Museumshafen Ovelgoenne angesprochen ob wir nicht die Morsestation im Museumshafen, zum Hafengeburtstag,  auf dem „Lieger“, betreiben wollen. Wir haben zugesagt und hatten viel Spaß…..

Im Museumshafen Oevelgoenne liegt auch das Ferueschiff ELBE3, Baujahr 1888, das ein Seeschiff ist und fahrbereit ist und regelmäßig Ausfahrten mit Gästen durchführt. Hier konnten wir Kontakt zu dem Obmann „herstellen“ und haben angefragt ob wir einen Amateurfunkstation im Kommunikationsraum mit entsprechender Antenne aufbauen können. Wir wurden zu einer Besprechung mit der Crew eingeladen und haben unser Projekt vorgestellt. Die Antwort der Crew war „macht mal..wir schauen uns das an“. Wir haben dann unsere Station aufgebaut, IC7300 an einer G5RV, fullsize, zwischen den Masten in ca. 19 Metern Höhe, Wasserstand (Stauwasser) der Elbe. Abhängig von der Tiede ist die Aufbauhöhe 23 oder 15 Meter.

Wir haben die Station ausgiebig getestet vor allem mussten wir Beeinflussungen der nautischen Systeme ausschließen,. Nach einem ausgiebigen Test mit der Schiffsführunge konnten wir dies ausschließen. Auf den Funkverkehr auf zwei Meter haben wir verzichtet um die Sicherheit des UKW Schiffsfunk nicht zu gefährden,

Nachdem dies alles geklärt war hat die Crew dem Betreib zugestimmt und auch der Vorstand des „Mueseumshafens Oevelgonne“ hat dem dauerhaften Betreib zugestimmt.

Nun musste noch die entsprechenden Unterlagen, dem EMVG, entsprechend erstellt werden und ein Rufzeichen beantragt werden. Die „ELBE2“ hat das Rufzeichen Seerufzechen DALE. Wir haben das Rufzeichen DA0LE beantragt und erhalten.

Seit mehr als einem Jahr ist DA0LE von dem Feuerschiff ELBE3, mir dem QTH Museumshafen Oevelgoenne“ QRV. Mehr dazu auf QRZ.com. Hier ist auch Link zu einer Webcam vorhanden auf der das Schiff zu sehen ist.

Was ist ein Feuerschiff?  Feuerschiffe haben nichts mit Löschbooten der Feuerwehr zu tun. Feuerschiffe sind quasi als schwimmende Leuchttürme dienten aber auch teilweise als Lotsenstation. Die Schiffe lagen an festen nautischen Positionen vor Anker und „zeigten“ den vorbeifahren Schiffen, durch die an einem hohen Mast angebrachten Laternen, den richtigen, vor allem bei schlechtem Wetter, auch durch Glockensignale, Weg. Die Laternen  wurden ursprünglich mit Rüböl und oder Petroleum betrieben.

Aus dieser Zeit kommt auch die Bezeichnung Feuerschiff. Entlang der Elbe gab es insgesamt fünf feste nautische Positionen für Feuerschiffe, Position Elbe 1 bis Elbe 5. Diese Positionen waren auch in den Seekarten entsprechend verzeichnet. Über die Jahre wurden diese Positionen von verschiedenen Feuerschiffen besetzt.

Die „Hamburger Feuerschiffe“ auf der Elbe, bekamen immer die Namen von Hamburger Bürgermeistern. So ist der Schiffsname von ELBE1 nicht Elbe 1 sondern „Bürgermeister Oswald“, mit der nautischen Position Elbe1, die an Steuer- und Backbord aufgetragen ist.
Auch das Feuerschiff mit dem QTH Museumshafen Bremerhaven ist gekennzeichnet mit der nautischen Position ELBE 3 hat aber den Schiffsnamen  „Bürgermeister Abendroth“. Das Feuerschiff mit dem QTH Museumshafen Oevelgoenne , DA0LE, hat auch den Schiffsnamen ELBE3, da dieses Schiff nicht sofort auf der Elbe eingesetzt wurde. Das Schiff wurde von der nautischen Position „Weser“ und „Bremen“ zu der Position ELBE3 verlegt und hat den Schiffsnamen ELBE3 erhalten.

Das Feuerschiff ELBE3 wurde 1888 als Segelfeuerschiff gebaut und wurde 1936 umgebaut, elektrifiziert und motorisiert, auch das „Leuchtfeuer“ wurde nun mit elektrischen Laternen ausgestattet. Die interne Spannungsversorgung des Schiffes beträgt 110 Volt. In dieser Zeit erfolgte auch der Einbau einer Funkanlage in einen dafür extra eingerichtetem Kommunikationsraum. In den 1970er Jahren wurden die Feuerschiffe außer Dienst gestellt und die Elbe 3 landete auf einigen Umwegen in dem Museumshafen Övelgönne. Hier kümmert sich seit dieser Zeit eine ehrenamtliche Mannschaft um die Erhaltung dieses Feuerschiffes. Die Elbe 3 wurde soweit instand gesetzt, dass damit heute sogar wieder Ausfahrten möglich sind. 

Nun stand der Teilnahme an dem Leuchturmwochende 2026 vom Feuerschiff ELBE 3 aus, mit der ILLW Nr. DE0150 nicht mehr im Wege

Wir reisten am Freitag, bepackt mit Verpflegung und Übernachtungsutensilien an und übernachteten bis zum späten Sonntag Nachmittag auf dem Schiff. Der Liegeplatz der Schiffes ist direkt im Elbstrom und  an Landstrom angeschlossen. Nach dem aktivieren der Zu- und Abwasserpumpen war auch die sanitäre Versorgung gewährleistet. Zu diese Zeit herrschten auch im Hafen Hamburg Temperaturen von über 30 Grad, im Funkraum ließ es sich aushalten. Die ersten QSO´s auf 40 mtr. und später auf 80 mtr. führten schnell wieder zu starken Pile ups. Hier bestätigte sich mal wieder, das die G5RV in 20 mtr. Höhe in Verbindung mit einem Gegengewicht von mehreren 100 Tonnen Stahl im Wasser, für sehr gute Signale sorgt. Während des Events waren wir mit einigen Unterbrechungen fast durchgängig QRV. Leider waren die Ausbreitungsbedingungen, gerade auf den höheren Bänder während dieser Zeit nicht besonders gut, so daß sich unsere Aktivitäten hauptsächlich auf das 40- und 80 Meter Band beschränkten.  Hier hatten wir  jedoch regelmäßig mit großen Pile ups zu „kämpfen“. Wie schon bei den Leuchtturmaktivitäten der vergangen Jahre, versuchte ich diese Pile Ups nicht im Conteststil: „59 , QRZ“ abzuarbeiten, sondern ich nahm mir auch Zeit für Anfragen der QSO-Partner. Dabei  kam es auch zu vielen lustigen und auch persönlichen  Kontakten. Erwähnen möchte ich dazu als Beispiel das QSO mit einem OM aus Wien, der zufällig während des QSO´s ganz aufgeregt eine WEB-Kamera , auf der man unser Feuerschiffe Elbe 3 sehen konnte. Das wurde natürlich ausführlich besprochen. Und gerade bei bei Kontakten mit anderen Leuchttürmen und Feuerschiffen haben wir uns ausführlich ausgetauscht. Mir ist bewußt, dass damit viele Stationen nicht mit uns in Kontakt kommen konnten. Es ist es schon ein einmaliges Erlebnis aus dem ehemaligen Kommunikationsraum eines Feuerschiffes
QSO´s zu führen und dabei dem Schiffsverkehr auf der Elbe und  Be- und Entladen der Containerschiffe im Hamburger Hafen zuschauen zu können.

Während des Leuchtturmwochendes haben wir annähernd 750 QSO´s geführt. Das war zwar anstrengend, hat aber viel Spaß gemacht und wir sind mit Sicherheit im kommenden Jahr wieder dabei.

DA0LE ist außerhalb des ILLW bei Ausfahrten, bei Open Ship..oder an den Arbeitstagen, meist Samstags, unregelmässig, QRV.

73 de HJ DO3HJW

Amateurfunk kennt keine festen Grenzen

Die Geschichte von DA0LE auf der ELBE 3 zeigt sehr schön, was Amateurfunk ausmacht: Unser Hobby ist nicht an den heimischen Shack gebunden. Ob mitten in der Natur bei einer POTA-Aktivierung, zwischen Flora und Fauna, auf einem Leuchtturm oder – wie hier – an Bord eines historischen Feuerschiffes: Funk lässt sich fast überall erleben.

Gerade diese Vielseitigkeit macht den Amateurfunk zu einem besonderen Hobby. Technik und Experimentierfreude treffen auf Natur, Geschichte, Reisen und manchmal auf ein kleines Abenteuer. Und hinter jedem Rufzeichen wartet möglicherweise eine neue Begegnung oder eine Geschichte, die man ohne Funk nie erlebt hätte.

Wer noch etwas tiefer in die Welt von DA0LE eintauchen möchte, kann Hans-Jörg sogar direkt an der Funkstation erleben. In einem rund fünfminütigen Videobeitrag wird er an Bord der ELBE 3 interviewt und stellt die Amateurfunkstation vor:

Weitere Informationen zur Station, zum Feuerschiff und zum Funkbetrieb gibt es außerdem auf der QRZ-Seite von DA0LE:

Vielleicht ist genau das die schönste Seite unseres Hobbys: Man weiß, wo man die Funkstation aufbaut – aber nie, wen man auf der anderen Seite treffen und welches kleine Abenteuer daraus entstehen wird.

73 und immer eine Handbreit Wasser unter der Antenne!

Bilder: Beate Bierkaemper, Museumshafen Oevelgoene (Vielen Dank!)

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