MeshCom bei E38: Test erfolgreich – und das Ergebnis überrascht!

DO4UB-12 zeigt: Das MeshCom-Netz rund um Hamburg ist bereits hervorragend ausgebaut und wird rege genutzt

Manchmal beginnt ein Amateurfunkprojekt mit einer einfachen Frage: Was können wir mit unserer Technik erreichen? Und manchmal endet der Versuch mit einer Erkenntnis, die mindestens genauso erfreulich ist wie ein neuer Reichweitenrekord.
Genau das ist uns mit unserem MeshCom-Knoten DO4UB-12 passiert.
Nach mehreren Tagen Testbetrieb, zahlreichen Messungen und einer genaueren Untersuchung der vorhandenen Netzstruktur können wir feststellen: MeshCom ist im Hamburger Raum bereits bemerkenswert gut ausgebaut. Zumindest in unserem untersuchten Bereich ist ein weiterer Knoten nicht zwingend erforderlich.
Und das Beste daran: Das Netz existiert nicht nur auf dem Papier. Es wird tatsächlich genutzt – und zwar ordentlich!

DO4UB-12 – unser Versuch auf 15 Metern Höhe

Für unseren Test haben wir in Hamburg-Ochsenwerder einen eigenen MeshCom-Knoten aufgebaut.
Die technische Ausstattung ist überschaubar, aber durchaus leistungsfähig:

  • Rufzeichen: DO4UB-12
  • Hardware: LilyGo T-LoRa V2.1.6
  • Firmware: MeshCom 4.40a
  • Frequenz: 433,175 MHz
  • Sendeleistung: 100 Milliwatt
  • Antenne: Vertikale Doppel-5/8-Lambda-Antenne mit praktisch keinem Gewinn
  • Antennenhöhe: etwa 15 Meter
  • Stromversorgung: Autarke Solaranlage mit Akku
  • Funktion im ursprünglichen Testbetrieb: Mesh-Knoten und Internet-Gateway
    Unser Ziel war es zunächst, die Reichweite und Leistungsfähigkeit des Systems zu untersuchen. Welche Stationen können wir direkt empfangen? Wie weit reichen die Verbindungen? Welche Aufgaben könnte unser Knoten innerhalb des vorhandenen Netzes übernehmen?
    Die ersten Ergebnisse waren vielversprechend. Trotz lediglich 100 Milliwatt Sendeleistung konnten wir mehrere Stationen direkt erreichen beziehungsweise empfangen.
    Doch dann wurde es richtig interessant.

Der entscheidende Versuch: Was passiert, wenn DO4UB-12 nicht mehr mitarbeitet?

Am 13. Oktober haben wir einen besonderen Test gestartet.
Wir deaktivierten sowohl die Mesh-Weiterleitungsfunktion als auch die Gateway-Funktion unseres Knotens.
DO4UB-12 konnte weiterhin Funkverkehr empfangen und seine eigenen Statusinformationen aussenden. Er leitete jedoch keine fremden Nachrichten mehr weiter und stellte keine Verbindung zwischen dem Funknetz und dem Internet her.
Damit konnten wir beobachten, wie sich das vorhandene Netz ohne unsere Unterstützung verhält.
Die Frage lautete: Wird DO4UB-12 überhaupt gebraucht?
Am folgenden Morgen, dem 14. Oktober, lagen die Ergebnisse vor.
Unser Knoten empfing weiterhin fünf Stationen direkt über Funk. Darunter befanden sich mehrere wichtige Netzknoten, die ihrerseits zahlreiche weitere Stationen erreichen. Über die vorhandenen Verbindungen waren Teilnehmer über bis zu fünf Mesh-Hops in der lokalen Netzwerkanalyse sichtbar.
Ein Hop bezeichnet dabei einen Übertragungsschritt zwischen zwei Stationen. Bei mehreren Hops wird eine Nachricht über weitere Knoten weitergereicht.
Besonders interessant war die Auswertung der Nachbarschaftsbeziehungen. Die Software meldete:

„No exclusive nodes. Mesh is redundant here.“
Auf Deutsch bedeutet das sinngemäß: Keine exklusiven Stationen. Die Mesh-Funktion ist an diesem Standort redundant.
Unser Knoten konnte also keine Station identifizieren, die innerhalb der aktuell bekannten lokalen Netzstruktur ausschließlich über ihn erreichbar wäre.
Natürlich ist das keine Garantie, dass niemals eine zusätzliche Funkverbindung benötigt wird. Funkbedingungen verändern sich, Stationen fallen aus und auch die vorhandene Infrastruktur kann sich ändern. Aber für unseren Standort ist das ein ausgesprochen erfreuliches Ergebnis.
Das bestehende Netz verfügt bereits über zahlreiche Verbindungen und alternative Übertragungswege.

Ein starkes Netz mit leistungsfähigen Nachbarn

Während unserer Messungen konnten wir unter anderem folgende Stationen direkt empfangen:

StationEntfernungDurchschnittlicher SNR
DJ1HND-125,6 km−7 dB
DF3LZ-129,1 km−13 dB
DL0HHA-1213,5 km−7 dB
DL1HCI-123,0 km−10 dB
DB0FS-12nicht ermittelt−19 dB

Messwerte vom 14. Oktober 2026. SNR bezeichnet das Signal-Rausch-Verhältnis. Auch negative Werte sind bei LoRa keineswegs ungewöhnlich.
Besonders interessant ist DB0FS-12, ein MeshCom-Knoten am NDR-Standort in Hamburg-Lokstedt. Solche exponierten Standorte sind für ein Funknetz ausgesprochen wertvoll. Sie können große Gebiete versorgen und zahlreiche Verbindungen miteinander verknüpfen.
Auch DL1HCI-12 spielte in unserer Auswertung eine wichtige Rolle. Die Software identifizierte diese Station zeitweise als sogenannten Super Node, der mehrere weitere Stationen erreicht, die aus unserer lokalen Sicht nicht von allen Nachbarn direkt gehört werden.
Das zeigt sehr schön, wie sich ein Mesh-Netz durch unterschiedliche Standorte gegenseitig ergänzt. Nicht jeder Knoten muss alles hören. Entscheidend ist, dass die Verbindungen zusammen ein funktionierendes Netz ergeben.

23.368 Nachrichten – MeshCom lebt!

Eine weitere Frage war für uns mindestens genauso interessant: Wird MeshCom eigentlich aktiv genutzt, oder stehen überall nur Geräte herum, die gelegentlich ihren Standort melden?
Ein Blick auf die Nachrichtenstatistik der MeshCom-Karte liefert eine erfreulich deutliche Antwort.
Die von uns am 14. Oktober 2026 abgerufene Übersicht zeigt für den ausgewählten 30-Tage-Zeitraum folgende Werte:

KennzahlErgebnis
Erfasste Nachrichten23.368
Nachrichten pro Tag im Durchschnitt779
Unterschiedliche aktive Absender1.201
Nachrichten am Spitzentag1.240
Aktivste Tagesstunde15:00 Uhr
Nachrichten in dieser Spitzenstunde166

Das sind bemerkenswerte Zahlen. Rechnerisch entspricht der Tagesdurchschnitt von 779 Nachrichten ungefähr 32 Nachrichten pro Stunde.
Dabei ist zu beachten, dass diese Statistik aus der übergeordneten MeshCom-Nachrichtenübersicht stammt. Sie beschreibt also nicht ausschließlich den Funkverkehr in Hamburg oder den Empfang unseres Knotens DO4UB-12. Außerdem umfasst sie sowohl Gruppen- als auch Direktnachrichten. Die Zahlen sind daher nicht mit der Anzahl tatsächlich geführter Funkgespräche gleichzusetzen.
Trotzdem zeigen sie eindrucksvoll, dass MeshCom längst mehr ist als eine Ansammlung eingeschalteter Funkmodule. Hier werden Nachrichten ausgetauscht.

Wann ist im Mesh am meisten los?

Auch die zeitliche Verteilung ist interessant. In den Nachtstunden ist es vergleichsweise ruhig. Ab dem Morgen nimmt die Aktivität deutlich zu und bleibt über den Tag bis in die Abendstunden auf einem höheren Niveau.
Die aktivste Stunde der ausgewerteten Statistik ist 15:00 Uhr. Für diese Stunde weist die Übersicht am Spitzentag 166 Nachrichten aus.
Auch die Tagesübersicht zeigt über den gesamten dargestellten Zeitraum regelmäßigen Nachrichtenverkehr. MeshCom ist also keineswegs ein System, das nur gelegentlich für einen Test eingeschaltet wird.
Das Netz wird tatsächlich benutzt.

Bedeutet das, dass keine weiteren MeshCom-Knoten gebraucht werden?

Für unseren Standort in Hamburg-Ochsenwerder lautet die vorläufige Antwort: Nicht unbedingt.
Das vorhandene Netz ist bereits so gut miteinander verbunden, dass unser zusätzlicher Knoten während des Tests keine erkennbare unverzichtbare Weiterleitungsfunktion übernehmen musste.
Das ist ausdrücklich kein Argument gegen den weiteren Ausbau von MeshCom. Im Gegenteil: Gerade in weniger gut versorgten Regionen können zusätzliche Knoten, insbesondere an erhöhten Standorten, einen erheblichen Unterschied machen.
Auch im Hamburger Raum können neue Stationen sinnvoll sein, wenn sie bisher schlecht erreichbare Gebiete erschließen oder zusätzliche Ausfallsicherheit schaffen.
Unser Versuch zeigt aber auch, dass es nicht allein auf die Anzahl der Knoten ankommt.
Ein sinnvoll platzierter Knoten in einem bislang schlecht versorgten Gebiet kann wertvoller sein als weitere Stationen in einem bereits hervorragend versorgten Bereich.

Unser Fazit: Ein voller Erfolg

Unser MeshCom-Projekt DO4UB-12 hat genau das geliefert, was wir uns von einem Amateurfunkexperiment wünschen: interessante Messergebnisse, neue Erkenntnisse und ein besseres Verständnis der vorhandenen Technik.
Die Solaranlage versorgt den Knoten autark mit Energie. Die Funkverbindungen funktionieren bereits mit lediglich 100 Milliwatt Sendeleistung. Die Software erlaubt detaillierte Einblicke in Nachbarschaften, Signalqualitäten und Übertragungswege.
Unser Abschalttest hat gezeigt, dass das vorhandene MeshCom-Netz in unserer Umgebung auch ohne die Weiterleitungs- und Gateway-Funktion von DO4UB-12 zahlreiche alternative Verbindungen besitzt.
Das eigentlich erfreuliche Ergebnis liegt aber noch woanders:
MeshCom ist bereits gut ausgebaut und wird von zahlreichen Funkamateuren aktiv genutzt.
23.368 erfasste Nachrichten und 1.201 unterschiedliche aktive Absender in der betrachteten 30-Tage-Statistik sprechen eine deutliche Sprache.
Wir können uns daher über etwas freuen, das im Amateurfunk nicht unbedingt selbstverständlich ist:
Wir haben einen neuen Knoten aufgebaut und dabei festgestellt, dass man ihn an diesem Standort eigentlich gar nicht dringend braucht.
Ein schöneres Kompliment kann man den Funkamateuren, die dieses Netz aufgebaut haben und betreiben, kaum machen.
Wie es mit DO4UB-12 weitergeht, werden wir sehen. Vielleicht bleibt er als zusätzliche Reserve erhalten. Vielleicht findet die Technik aber auch einen neuen Standort, an dem sie einen größeren Beitrag zur Netzabdeckung leisten kann.
Eines steht jedenfalls fest: Das Experiment hat sich gelohnt.
Und der nächste Versuch kommt bestimmt. Schließlich wäre es doch schade, wenn unser Antennenmast plötzlich nichts mehr zu tun hätte.


73 de DO4UB – Uli
DARC OV E38 Süd Stormarn

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