QO-100 – Amateurfunk über einen Satelliten in 36.000 Kilometern Höhe
Ein Relais im Weltraum, eine Satellitenschüssel im Garten und Funkkontakte über mehrere Kontinente hinweg. Was vor einigen Jahrzehnten noch wie Science-Fiction geklungen hätte, gehört heute zu den faszinierendsten Möglichkeiten des Amateurfunks.
Wer sich schon einmal gefragt hat, ob Amateurfunk auch ohne Kurzwelle und ohne Internet über Tausende Kilometer funktionieren kann, findet mit QO-100 eine bemerkenswerte Antwort.
Und das Beste daran: Auch Funkamateure mit der deutschen Lizenzklasse E können mitmachen.
Ein Relais in fast 36.000 Kilometern Höhe
QO-100 ist die Amateurfunk-Nutzlast des Kommunikationssatelliten Es’hail-2. Der Satellit wurde am 15. November 2018 gestartet und befindet sich auf einer geostationären Position von 25,9° Ost.
Geostationär bedeutet, dass der Satellit die Erde in rund 35.786 Kilometern Höhe über dem Äquator genau so schnell umrundet, wie sich die Erde selbst dreht. Für uns auf der Erde scheint er deshalb immer an derselben Stelle am Himmel zu stehen.
Das ist für den Amateurfunk ein gewaltiger Vorteil.
Bei niedrig fliegenden Amateurfunksatelliten dauert ein brauchbarer Überflug häufig nur wenige Minuten. Die Antennen müssen dem Satelliten folgen und zusätzlich verändert sich durch den Dopplereffekt ständig die Empfangs- und Sendefrequenz.
Bei QO-100 ist das anders.
Die Parabolantenne wird einmal auf den Satelliten ausgerichtet und bleibt anschließend dort stehen. QO-100 ist rund um die Uhr erreichbar.
Von Deutschland nach Afrika, Indien oder Brasilien
Ein Satellit in dieser Höhe kann einen gewaltigen Teil der Erdoberfläche sehen.
Entsprechend groß ist die Ausleuchtzone – der sogenannte Footprint – von QO-100. Große Teile Europas und Afrikas sowie der Nahe Osten und weite Teile Asiens befinden sich innerhalb des erreichbaren Gebiets. Am westlichen Rand reicht die geometrische Sichtbarkeit bis nach Südamerika.
Damit können Funkamateure miteinander sprechen, zwischen denen mehrere Tausend Kilometer liegen.
Eine Station in Norddeutschland kann beispielsweise über denselben Transponder Stationen in Südafrika oder Indien erreichen.
Und dafür benötigt keiner der beiden Funkamateure eine Internetverbindung.
Wo QO-100 überall funktioniert
Die Ausleuchtzone von QO-100 ist gewaltig. Von seiner Position über dem Äquator bei 25,9° Ost kann der Satellit einen erheblichen Teil der Erde gleichzeitig „sehen“. Entscheidend ist dabei nicht die Entfernung auf einer Landkarte, sondern ob QO-100 vom jeweiligen Standort noch über dem Horizont steht. Je näher man an den Rand dieser Zone kommt, desto kleiner wird der Elevationswinkel und desto anspruchsvoller wird der Funkbetrieb.
- Europa: Praktisch ganz Europa liegt sehr günstig innerhalb der Ausleuchtzone. Dazu gehören Portugal, Spanien, Frankreich, Großbritannien, Irland, Deutschland, die Benelux-Staaten, die Schweiz, Österreich, Italien, Dänemark, Norwegen, Schweden, Finnland, Polen, Tschechien, die Slowakei, Ungarn, die Balkanstaaten, Griechenland, die baltischen Staaten und weite Teile Osteuropas.
- Afrika: Nahezu der gesamte afrikanische Kontinent gehört zum Versorgungsgebiet. Von Marokko, Algerien, Tunesien und Ägypten über West- und Zentralafrika bis nach Kenia und Tansania sowie weiter nach Namibia, Botswana und Südafrika ist QO-100 erreichbar. Afrika liegt insgesamt besonders günstig innerhalb des Footprints.
- Naher Osten: Auch der Nahe Osten liegt sehr günstig. Israel, Jordanien, Saudi-Arabien, Katar, Bahrain, Kuwait, die Vereinigten Arabischen Emirate, Oman, Irak und Iran befinden sich innerhalb der Ausleuchtzone.
- Asien: Richtung Osten reicht QO-100 über die Türkei und den Kaukasus durch Zentralasien über Pakistan, Indien, Nepal und Sri Lanka bis nach Südostasien. Thailand ist noch erreichbar, liegt aber bereits weit im östlichen Bereich der Ausleuchtzone. In Bangkok steht QO-100 nur noch ungefähr 6° über dem Horizont. Dort sind freie Sicht und eine entsprechend gute Antennenanlage wesentlich wichtiger als beispielsweise in Deutschland.
- Philippinen: Hier ist dagegen Schluss. Die Philippinen liegen außerhalb der geometrischen Sichtbarkeit von QO-100. Von Manila oder Davao aus befindet sich der Satellit unterhalb des Horizonts. Auch ein wesentlich größerer Parabolspiegel kann daran nichts ändern – die Erdkrümmung lässt sich leider nicht mit mehr Antennengewinn überreden.
- Südamerika: Auch Teile Südamerikas befinden sich innerhalb des Footprints. Besonders Brasilien ist interessant: Der Osten und Nordosten des Landes kann QO-100 erreichen. Je weiter man sich nach Westen bewegt, desto niedriger steht der Satellit und schließlich wird die geometrische Sichtbarkeitsgrenze erreicht.
- Inseln im Atlantik und Indischen Ozean: Madeira, die Kanaren, Kapverden, Mauritius, Réunion und die Seychellen gehören ebenfalls zur QO-100-Welt. Gerade solche Standorte machen den Satelliten für DX-Verbindungen besonders interessant.
- Antarktis – Neumayer-Station III: Ein außergewöhnlicher Beweis dafür, was am Rand des Footprints noch möglich ist, ist die deutsche Neumayer-Station III in der Antarktis. Die dortige Amateurfunkstation DP0GVN liegt bei ungefähr 70,7° südlicher Breite und 8,3° westlicher Länge. QO-100 steht dort nur etwa 7° über dem Horizont – und trotzdem wird der Satellit von der Station erfolgreich genutzt. Das zeigt eindrucksvoll, dass eine niedrige Elevation nicht automatisch bedeutet, dass kein Funkbetrieb mehr möglich ist. Mit freier Sicht, einer geeigneten Antennenanlage und ausreichender Systemreserve kann QO-100 selbst unter solchen Bedingungen noch genutzt werden.
Damit spannt QO-100 einen bemerkenswerten Bogen: von Brasilien über Europa und praktisch ganz Afrika bis nach Indien und Thailand – und nach Süden sogar bis zur Neumayer-Station III in der Antarktis. Erst wenn der Satellit aufgrund der Erdkrümmung tatsächlich unter dem Horizont verschwindet, ist endgültig Schluss. Dann hilft auch der größte Spiegel nicht mehr.
Hilft am Rand einfach eine größere Schüssel?
Grundsätzlich erhöht ein größerer Parabolspiegel den Antennengewinn. Dadurch lassen sich schwächere Signale besser empfangen und beim Senden wird die vorhandene Leistung stärker gebündelt.
Die auf Karten eingezeichnete Ausleuchtzone ist deshalb nicht immer als messerscharfe Grenze zu verstehen. Je nach Elevation und technischer Ausstattung kann auch an Randstandorten Betrieb möglich sein.
Eine Grenze kann aber auch die größte Satellitenschüssel nicht überwinden: den Horizont.
Steht QO-100 von einem Standort aus unter dem Horizont, existiert keine direkte Sichtverbindung zum Satelliten. Ein Drei-, Fünf- oder Zehn-Meter-Spiegel ändert daran nichts.

Wie funktioniert QO-100?
Das Grundprinzip ist überraschend einfach.
Eine Amateurfunkstation sendet ihr Signal im 2,4-Gigahertz-Bereich zum Satelliten. Dieser empfängt das Signal und setzt es auf Frequenzen um 10,49 Gigahertz um. Anschließend wird es wieder zur Erde abgestrahlt.
Der Satellit funktioniert damit vereinfacht gesagt wie ein riesiges Relais im Weltraum.
Man spricht auch von einem Bent-Pipe-Transponder.
Das Signal wird nicht wie bei einer Internetverbindung vollständig empfangen, als Nachricht verarbeitet und anschließend neu verschickt. Der Transponder setzt einen ganzen Frequenzbereich um und gibt ihn wieder aus.
Beim QO-100-Schmalbandtransponder erfolgt diese Umsetzung nicht invertierend: Eine Erhöhung der Uplink-Frequenz führt auch zu einer entsprechenden Erhöhung der Downlink-Frequenz.

Zwei Transponder für unterschiedliche Anwendungen
QO-100 verfügt über einen Schmalband- und einen Breitbandtransponder.
Narrowband – der Schmalbandtransponder
Der NB-Transponder ist 500 Kilohertz breit.
Uplink: 2.400,000 bis 2.400,500 Megahertz
Downlink: 10.489,500 bis 10.490,000 Megahertz
Hier finden klassische Amateurfunkverbindungen statt: SSB, CW und verschiedene digitale Betriebsarten.
Die maximale belegte Bandbreite einer normalen Nutzeraussendung beträgt 2,7 Kilohertz. Für bestimmte digitale Bereiche gelten noch engere Grenzen.
Wideband – der Breitbandtransponder
Der WB-Transponder ist acht Megahertz breit.
Uplink: 2.401,5 bis 2.409,5 Megahertz
Downlink: 10.491 bis 10.499 Megahertz
Dieser Bereich wird hauptsächlich für digitales Amateurfernsehen – DATV – genutzt. Unter anderem kommt DVB-S2 zum Einsatz.
Damit können über QO-100 nicht nur Sprache und Daten, sondern sogar bewegte Bilder übertragen werden.

Der Bandplan – 500 Kilohertz für sehr viele Funkamateure
Auf dem Narrowband-Transponder können gleichzeitig zahlreiche Stationen arbeiten. Das funktioniert allerdings nur, wenn sich alle an den Bandplan halten.
Bestimmte Bereiche sind für CW, digitale Betriebsarten, SSB und besondere Anwendungen vorgesehen. Hinzu kommen die Baken des Satelliten sowie unter anderem Bereiche für Rundspruch- und Notfunkanwendungen.

Besonders wichtig: Nicht jede vom Funkgerät angebotene Betriebsart gehört auf den Narrowband-Transponder.
Breitbandige Verfahren wie FM, C4FM oder D-STAR sind dort nicht vorgesehen.
Das hat einen einfachen Grund: Die Ressource Transponderbandbreite und die zur Verfügung stehende Transponderleistung müssen von vielen Funkamateuren gemeinsam genutzt werden.
Warum rauscht ein Satellit?
Wer den Narrowband-Transponder mit einem SDR betrachtet, erkennt etwas Interessantes: Der Rauschboden innerhalb des Transponders liegt über dem Rauschboden außerhalb des Transponders.
Das ist das sogenannte Transponderrauschen.
Jede reale Empfangsanlage erzeugt Rauschen. Auch die Empfangs- und Verstärkertechnik im Satelliten ist davon nicht ausgenommen. Dieses Rauschen gelangt über den Transponder ebenfalls zum Downlink.
Für den Funkamateur ist das durchaus interessant.
Der sichtbare Unterschied zwischen dem Rauschboden innerhalb und außerhalb des Transponders kann einen Hinweis darauf geben, wie gut die eigene Empfangsanlage funktioniert.

Bei QO-100 wurde die Verstärkung des Narrowband-Transponders bereits kurz nach Beginn des Betriebs angepasst.
Eine zu hohe Verstärkung ist nämlich nicht automatisch besser. Wird zu viel Rauschen verstärkt, beansprucht dieses einen Teil der verfügbaren Ausgangsleistung des Transponders und reduziert dessen nutzbaren Dynamikbereich.
Das ist ein schönes Beispiel dafür, dass in der Funktechnik „mehr“ nicht automatisch „besser“ bedeutet.
Und genau das gilt auch für die eigene Sendeleistung.
Wie groß muss die Satellitenschüssel sein?
Für den Empfang des Narrowband-Transponders reichen in Mitteleuropa unter guten Bedingungen bereits relativ kleine Parabolantennen.
Eine Schüssel im Bereich von etwa 60 bis 90 Zentimetern ist für viele Stationen eine praktikable Größe.
Größere Antennen können zusätzliche Empfangsreserve bieten und sind besonders für Experimente interessant.
Beim Senden gibt es allerdings einen entscheidenden Unterschied.
Je größer der Spiegel wird, desto stärker bündelt er die eingespeiste HF-Energie.
Und dann können aus wenigen Watt Senderleistung rechnerisch plötzlich einige Kilowatt EIRP werden.
Fünf Watt und ein 180-Zentimeter-Spiegel
Nehmen wir ein bewusst eindrucksvolles Beispiel.
Ein Funkamateur besitzt einen Parabolspiegel mit 180 Zentimetern Durchmesser und speist ihn auf 2,4 Gigahertz.
Für unser vereinfachtes Beispiel nehmen wir einen Antennengewinn von 31 dBi und insgesamt ein Dezibel Verlust zwischen Sender und Antenne an.
Die Sendeleistung beträgt fünf Watt PEP.
Die EIRP lässt sich vereinfacht berechnen mit:
EIRP = Senderleistung × 10^((Antennengewinn − Verluste) / 10)
Also:
5 Watt × 10^((31 dBi − 1 dB) / 10)
Das Ergebnis:
5.000 Watt EIRP
Fünf Kilowatt!
Der Sender erzeugt natürlich weiterhin lediglich fünf Watt HF-Leistung. Der Parabolspiegel erzeugt keine zusätzliche Energie.
Er bündelt die vorhandene Energie jedoch sehr stark in Hauptstrahlrichtung.
Das Beispiel zeigt eindrucksvoll, warum die Angabe der Senderleistung allein wenig darüber aussagt, welches Signal tatsächlich in Richtung Satellit abgestrahlt wird.
Bei derselben Beispielantenne ergeben sich rechnerisch:
| Senderleistung | EIRP bei 30 dB Nettogewinn |
|---|---|
| 5 Watt | 5.000 Watt |
| 1 Watt | 1.000 Watt |
| 500 Milliwatt | 500 Watt |
| 100 Milliwatt | 100 Watt |
| 10 Milliwatt | 10 Watt |
Das sind idealisierte Rechenwerte. Eine reale Antennenanlage besitzt weitere Verluste und der tatsächliche Gewinn hängt unter anderem von Wirkungsgrad, Feed, Ausleuchtung und mechanischer Genauigkeit des Spiegels ab.
Die Größenordnung macht aber eines deutlich:
An einem großen Parabolspiegel können bereits sehr kleine Senderleistungen erstaunlich viel EIRP erzeugen.
PEP, ERP und EIRP – Watt ist nicht gleich Watt
An dieser Stelle müssen drei Begriffe auseinandergehalten werden.
PEP – Peak Envelope Power
PEP beschreibt die Spitzenleistung der HF-Aussendung unter den dafür definierten Bedingungen. Die Leistungsgrenzen der deutschen Amateurfunkklassen werden in vielen Bereichen als PEP angegeben.
ERP – Effective Radiated Power
ERP berücksichtigt den Antennengewinn und bezieht die abgestrahlte Leistung auf einen Halbwellendipol.
EIRP – Equivalent Isotropically Radiated Power
EIRP bezieht die Richtwirkung dagegen auf einen theoretischen isotropen Strahler, der seine Energie gleichmäßig in alle Raumrichtungen abstrahlt.
Zwischen ERP und EIRP liegen rund 2,15 Dezibel.
5.000 Watt EIRP entsprechen deshalb ungefähr 3.050 Watt ERP.
Keine dieser Angaben bedeutet, dass tatsächlich mehrere Kilowatt elektrische HF-Leistung erzeugt werden. Sie beschreiben die Wirkung der gerichteten Abstrahlung.
Und was sagt QO-100 zu zu viel Leistung?
Er kann sich bemerkbar machen.
Und zwar ziemlich unmissverständlich.
Das Warnsystem heißt LEILA – LEIstungs-Limit-Anzeige.
Wird eine Station auf dem Narrowband-Transponder deutlich zu stark, kann das System das betreffende Signal mit einem charakteristischen Warnsignal markieren.
Die Betriebsregeln von AMSAT-DL sind eindeutig: Das eigene Downlink-Signal soll die Referenzbaken nicht überschreiten.
Deshalb gehört zur QO-100-Station auch die Möglichkeit, das eigene Downlink-Signal während des Sendens zu kontrollieren.
Wer eine große Antenne besitzt, beginnt entsprechend mit sehr geringer Leistung und erhöht diese nur so weit, wie tatsächlich notwendig.
Fünf Watt PEP mögen nach wenig klingen.
An einem 180-Zentimeter-Parabolspiegel können fünf Watt aber eine vollkommen andere Hausnummer darstellen.
Oder anders gesagt:
Wenn LEILA klingelt, ist das kein Kompliment für die besonders leistungsfähige Funkstation.
Wie klingt LEILA eigentlich?
Das Prinzip der Leistungswarnung ist älter als QO-100.
Michael, DD1US, betreibt ein beeindruckendes Archiv historischer Satellitensignale. Dort befinden sich unter anderem Aufnahmen von LEILA-Tests des früheren Amateurfunksatelliten AO-40.
Die historischen Aufnahmen vermitteln sehr schön, wie eine solche Warnung klingt.
Wichtig: Diese Aufnahmen stammen von AO-40 und sind keine aktuellen QO-100-Aufnahmen.
Fünf Watt sind erlaubt – also darf ich fünf Watt benutzen?
Hier steckt ein wichtiger Unterschied.
Die maximal zulässige Senderleistung ist keine Empfehlung für die tatsächlich benötigte Leistung.
Für die deutsche Lizenzklasse E sind im entsprechenden 2,4-Gigahertz-Bereich bis zu fünf Watt PEP zulässig. Klasse A verfügt dort über eine höhere zulässige Senderleistung.
Für den praktischen QO-100-Betrieb gilt jedoch:
Nur so viel Leistung benutzen, wie tatsächlich benötigt wird.
Mit einem großen Parabolspiegel kann ein Bruchteil der maximal zulässigen Senderleistung vollkommen ausreichend sein.
Das schützt den Transponder, reduziert gegenseitige Störungen und vereinfacht gleichzeitig die Betrachtung des Personenschutzes.
Personenschutz – aus fünf Watt können rechnerisch 5.000 Watt EIRP werden
Ein pauschaler Satz wie „Bei fünf Watt reichen zwei Meter Abstand“ wäre falsch.
Für die Bewertung spielen unter anderem Senderleistung, Frequenz, Antennengewinn, Verluste, Betriebsart, Sendezeitanteil, Antennenhöhe, Haupt- und Nebenkeulen sowie die räumlichen Verhältnisse am Standort eine Rolle.
Hinzu kommt bei großen Antennen die Unterscheidung zwischen Nah- und Fernfeld.
Bei unserem 180-Zentimeter-Beispiel liegt der Beginn des Fernfeldes nach dem häufig verwendeten Fraunhofer-Kriterium bei 2,4 Gigahertz erst in einer Größenordnung von rund 52 Metern.
Das bedeutet ausdrücklich nicht, dass der vorgeschriebene Sicherheitsabstand 52 Meter beträgt.
Es bedeutet vielmehr, dass eine stark vereinfachte Fernfeldberechnung unmittelbar vor dem Spiegel nicht ohne Weiteres zur Bestimmung des tatsächlichen Personenschutzabstandes verwendet werden darf.
Die BEMFV-Bewertung muss mit dafür geeigneten Berechnungs- beziehungsweise Messverfahren durchgeführt werden.
QO-100 mit Klasse E
QO-100 ist auch deshalb interessant, weil nicht nur Funkamateure der Klasse A teilnehmen können.
Die deutsche Klasse E besitzt im relevanten 2,4-Gigahertz-Bereich eine Sendeberechtigung mit einer maximalen Senderleistung von fünf Watt PEP.
Das reicht für QO-100 mehr als nur theoretisch aus.
Wie unser Beispiel gezeigt hat, kann mit einer geeigneten Richtantenne bereits aus erheblich weniger Senderleistung eine beachtliche EIRP entstehen.
Klasse N besitzt dagegen keine entsprechende Sendeberechtigung auf 2,4 Gigahertz.
Empfangen darf natürlich trotzdem jeder.
Damit eröffnet QO-100 gerade Inhabern der Klasse E ein faszinierendes Experimentierfeld weit oberhalb der klassischen UKW-Bereiche.
Was benötigt man für eine QO-100-Station?
Für den Empfang ist der Aufwand überschaubar.
Benötigt werden im Wesentlichen ein Parabolspiegel, ein geeigneter LNB und ein Empfänger beziehungsweise SDR.
Ein Satelliten-LNB setzt den Downlink im Bereich um 10,49 Gigahertz auf eine wesentlich niedrigere Zwischenfrequenz um.
Für den Sendebetrieb benötigt man zusätzlich eine Möglichkeit, ein Signal auf 2,4 Gigahertz zu erzeugen.
Dafür kommen je nach Stationskonzept beispielsweise ein Transceiver mit Upconverter, spezielle QO-100-Transverter oder SDR-Lösungen infrage.
Die eigentliche Uplink-Antenne kann über einen entsprechenden Feed ebenfalls den Parabolspiegel verwenden.
Für den Uplink wird RHCP – rechtsdrehende zirkulare Polarisation – verwendet. Beim Narrowband-Downlink kommt vertikale lineare Polarisation zum Einsatz.

Sehr wichtig ist außerdem die Kontrolle des eigenen Signals.
Beim Senden sollte der Funkamateur seinen eigenen Downlink beobachten beziehungsweise hören können.
Damit lassen sich Frequenz, Modulation und vor allem der eigene Signalpegel unmittelbar kontrollieren.
Der erste eigene Ruf über den Weltraum
Wenn die Empfangsanlage funktioniert, erkennt man im SDR zunächst die Baken und anschließend zahlreiche weitere Signale.
SSB-Stationen erscheinen im Wasserfall als schmale Signale, CW noch wesentlich schmaler.
Nun wird die eigene Uplink-Frequenz so eingestellt, dass das zurückgesendete Signal an der gewünschten Downlink-Frequenz erscheint.
Die Senderleistung beginnt dabei ganz unten.
Nicht bei fünf Watt.
Nicht bei einem Watt.
Bei einer leistungsfähigen Antennenanlage möglicherweise erheblich darunter.
Dann wird vorsichtig erhöht, bis das eigene Signal sauber über den Satelliten zurückkommt.
Die Bake liefert dabei eine wichtige Pegelreferenz.
Und plötzlich hört man die eigene Stimme – nachdem sie gerade rund 36.000 Kilometer zum Satelliten und weitere rund 36.000 Kilometer zurück zur Erde gereist ist.
Für die reine Funkstrecke sind das bereits ungefähr 72.000 Kilometer.
Spricht man mit einer weit entfernten Station, kommt deren Uplink und Downlink ebenfalls hinzu.
Technisch betrachtet ist das erstaunlich.
Und trotzdem kann dafür eine Satellitenschüssel im Garten und eine Senderleistung im Milliwatt- oder niedrigen Wattbereich genügen.
Ein riesiges Experimentierfeld über unseren Köpfen
QO-100 verbindet gleich mehrere Bereiche unseres Hobbys.
Mikrowellentechnik, Antennenbau, SDR, Satellitentechnik, digitale Signalverarbeitung, SSB, CW, digitale Betriebsarten und sogar Amateurfernsehen treffen auf einer einzigen Plattform zusammen.
Dabei kann jeder selbst entscheiden, wie tief er in die Technik einsteigen möchte.
Man kann mit einer vergleichsweise einfachen Empfangsanlage beginnen, anschließend eine kleine Sendestation aufbauen und später mit Frequenzreferenzen, eigenen Feeds, Transvertern oder DATV experimentieren.
Gerade darin liegt ein wesentlicher Reiz des Amateurfunks.
Man muss nicht alles fertig kaufen.
Man kann verstehen, ausprobieren, messen, verbessern und manchmal feststellen, dass eine vermeintliche Verbesserung überhaupt keine ist.
Ein größerer Spiegel ist dafür ein perfektes Beispiel.
Beim Empfang kann er Reserven schaffen.
Beim Senden bedeutet er aber gleichzeitig mehr Antennengewinn, höhere EIRP und damit eine größere Verantwortung.
Aus fünf Watt können rechnerisch mehrere Kilowatt EIRP werden.
Und möglicherweise stellt man am Ende fest, dass man von diesen fünf Watt nur einen winzigen Bruchteil benötigt.
Denn QO-100 ist rund 36.000 Kilometer entfernt – merkt aber trotzdem erstaunlich schnell, wenn jemand meint, etwas lauter sprechen zu müssen als alle anderen.
Und wenn LEILA klingelt, sollte die erste Reaktion deshalb nicht sein:
„Da geht bestimmt noch ein bisschen mehr.“
Sondern:
„Okay, verstanden. Leistung runter.“
Und das Thema Satellit geht weiter
Das Thema Satellit ist viel zu vielfältig, um es bei QO-100 zu belassen. Deshalb wird auf unserer Webseite eine eigene Rubrik rund um Satelliten und Satellitenfunk entstehen. Dort wollen wir nach und nach erklären, was über unseren Köpfen eigentlich passiert – vom klassischen Amateurfunksatelliten über Wettersatelliten und deren Empfang bis hin zu geostationären Satelliten, verschiedenen Umlaufbahnen, Bodenstationen und moderner Satellitentechnik. Dabei schauen wir ausdrücklich auch über den Amateurfunk hinaus. Verständlich erklärt, praktisch ausprobiert und natürlich immer mit der nötigen Portion Neugier: Was fliegt da oben eigentlich herum – und was können wir davon hier unten sehen, hören oder sogar selbst empfangen?
73 de Uli DO4UB
