Wind im Blick – bevor die Antenne unfreiwillig zum Drachen wird
Wer einen Mast, eine größere Antenne oder sonst irgendetwas Funktechnisches draußen stehen hat, kennt die Frage: Wie windig wird es eigentlich in den nächsten Stunden?
Genau dafür haben wir unsere E38-Windampel gebaut. Sie schaut für Ochsenwerder und Bergedorf auf die kommenden 24 Stunden und zeigt auf einen Blick, womit wir rechnen müssen.
Und das Ganze ist tatsächlich Handarbeit aus E38. Die Windampel ist kein fertiges Wetter-Plugin, keine eingebundene App und auch keine Anzeige, die wir irgendwo von einer anderen Webseite kopiert haben. Die Logik dahinter haben wir selbst gebaut. Wir holen uns die Wetterdaten aus verschiedenen Quellen – wie wir sie auswerten und was wir daraus anzeigen, bestimmen wir selbst.
Im Hintergrund vergleichen wir dafür zwei Wettermodelle: DWD ICON-D2 und ECMWF. Zusätzlich prüfen wir die amtlichen Wind- und Sturmwarnungen des Deutschen Wetterdienstes.
Zwei Wettermodelle – warum eigentlich?
ICON-D2 ist ein hochauflösendes Wettervorhersagemodell des Deutschen Wetterdienstes (DWD). Es konzentriert sich auf Deutschland und die nähere Umgebung und bietet eine sehr hohe räumliche Auflösung. Das macht es für uns besonders interessant, wenn wir wissen wollen, was regional rund um Hamburg passieren könnte.
ECMWF kommt vom Europäischen Zentrum für mittelfristige Wettervorhersagen. Die dort entwickelten Vorhersagemodelle gehören zu den international etablierten Wettermodellen und liefern uns einen zweiten Blick auf die Wetterentwicklung.
Für unsere Windampel ist genau diese Kombination interessant: ICON-D2 liefert einen sehr detaillierten Blick auf unsere Region, ECMWF eine zweite Einschätzung mit einem anderen Wettermodell.
Stimmen beide ungefähr überein – prima. Sind sie unterschiedlicher Meinung, rechnen wir uns das Wetter aber nicht schön. Wir bilden keinen Mittelwert, sondern nehmen für jeden Standort die höhere vorhergesagte maximale Windböe.
Oder anders gesagt: Zwei Wettermodelle, zwei Meinungen – und E38 hört im Zweifel auf den pessimistischeren Wetterfrosch.
Und daraus machen wir eine Ampel
Damit man nicht erst Wetterdaten und Modellberechnungen studieren muss, übersetzen wir das Ergebnis in eine einfache E38-Windampel:
🟢 Grün – unter 50 km/h, alles entspannt
🟡 Gelb – 50 bis unter 65 km/h, den Wind besser im Auge behalten
🟠 Orange – 65 bis unter 90 km/h, jetzt wird es für Antennen und Masten interessant
🔴 Rot – ab 90 km/h, hier ist Vorsicht angesagt
Zusätzlich schauen wir nach, ob für unseren Bereich eine amtliche Wind- oder Sturmwarnung des DWD vorliegt. Eine solche Warnung kann unsere errechnete Ampel hochsetzen – aber niemals heruntersetzen.
Das Ganze läuft automatisch auf unserer Webseite. Die Wettermodelle werden spätestens alle zwei Stunden neu abgefragt, die amtlichen DWD-Warnungen prüfen wir alle 15 Minuten.
Warum selber bauen?
Weil wir damit nicht davon abhängig sind, dass irgendeine Wetter-App genau die Informationen so aufbereitet, wie wir Funkamateure sie brauchen.
Uns interessiert beispielsweise nicht unbedingt, ob es nachmittags zwei Stunden regnet. Uns interessiert an dieser Stelle vor allem: Wie stark können die Böen werden, wann werden sie erwartet und was bedeutet das für unsere Antennen und Masten?
Deshalb greifen wir auf die Wetterdaten zurück und bauen daraus unsere eigene Anzeige für unseren Einsatzzweck. Und wenn wir später feststellen, dass uns noch eine Information fehlt oder wir die Auswertung erweitern möchten, können wir das selbst tun.
Wer genauer hinschauen möchte, kann bei beiden Standorten die Details aufklappen. Dort sieht man die Vorhersagen der einzelnen Wettermodelle, welches Modell gerade den höheren Wert liefert und wann die stärkste Böe erwartet wird. Auch der amtliche DWD-Status wird separat angezeigt.
Wichtig: Die E38-Windampel ist keine amtliche Wetterwarnung und ersetzt diese natürlich auch nicht. Sie ist unsere eigene zusätzliche Orientierungshilfe für den Amateurfunk- und Antennenbetrieb.
Am Ende soll sie vor allem eine ganz einfache Frage beantworten:
Kann der Mast oben bleiben – oder fahren wir ihn vorsichtshalber ein paar Meter ein?
Und irgendwie passt das Ganze auch ziemlich gut zum Amateurfunk: Nicht für alles eine fertige App suchen – manchmal bauen wir es einfach selbst.
